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Musik und Wissenschaft:Gediegene Begegnungen

Themenkonzerte der Staatsoper im Max Planck-Institut am Hofgarten

Ein bisschen wirkt der Abend der Max-Planck-Gesellschaft am Hofgarten wie ein Gaststudium mit sinnlicher Untermalung. Der Rechtsprofessor Hans-Jörg Albrecht doziert im Foyer des zweiten Stocks zuerst über das ethische, gesellschaftliche und moralische Konfliktpotenzial von Verbrechen und Strafe, bevor anschließend Hugo Siegmeth und Axel Wolf mit Saxofon, Bassklarinette und Laute auftreten. Da wird jeglicher Verbrecherschrecken ganz schnell mit Barockmusik und Jazz-Klassikern in entspannter Wohlfühl-Atmosphäre vertrieben.

Doch irgendwie haben diese Themenkonzerte der Bayerischen Staatsoper schon auch einen gewissen Reiz. Quasi als Nerd-Nights für die Hochkultur werden in diesen fünf Konzerten, die immer Ende Januar von der Bayerischen Staatsoper und der Max-Planck-Gesellschaft veranstaltet werden, eher nicht zum Standard-Repertoire zählende Musik mit einem aktuellen Forschungsthema aus dem vielfältig ausgerichteten Max-Planck-Institut verknüpft.

Das diesjährige Spielzeit-Motto der Staatsoper wirkt dabei wie eine Steilvorlage: "Was folgt?" beschreibt nicht nur die Zukunftsvision, die das Opernhaus in dieser Saison seinen Zuschauern präsentiert. "Was folgt?" ist auch das grundlegende Prinzip der empirischen Forschung.

Es sind durchaus gediegene Begegnungen von Kunst und Wissenschaft: Etwa wenn die ethischen Konflikte in der Grundlagenforschung an Beispielen aus der Hirnforschung, vorgetragen von Wolf Singer am Samstag, 4. Februar, im großen Anatomie-Hörsaal der LMU, von der Musik Arnold Schönbergs umgarnt werden. Oder wenn ein Vortrag zur Gentechnik von Ralph Bock, im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum am Freitag, 3. Februar, mit Werken von Krzysztof Penderecki kombiniert wird.

Das Thema des ersten Konzerts zog jedenfalls ein breites Publikum an: Die Ankündigung "Verbrechen, Strafe und ihre Folgen" sorgte für einen vollbesetzten Saal, in dem Albrecht die rechtlichen und ethischen Konsequenzen von Gesetzesüberschreitungen ausbreitete. In der Pause vor dem musikalischen Teil des Abends ist Albrecht von einer Menschenmenge umringt, die weitere Fragen an den Wissenschaftler richtet. Es ist aber auch ein Thema, in dem das vermeintlich trockene Forschungsprinzip, aus A folgt B, schon von jener Intuition durchbrochen wird, die Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, in seiner Begrüßungsrede hervorhebt und als Verbindungspunkt zur Kunst herausstellt. Jeder Forscher bräuchte neben rational-kausalen Schlussfolgerungen ein schöpferisches Moment, das am Beginn der Suche stehe. Die wissenschaftliche Forschung sei auch eine "intuitive Suche".

Ebenso intuitiv funktioniert später auch die Verknüpfung zur Kunst. Der Jazz-Musiker Hugo Siegmeth an Bassklarinette und Saxofon und der Lautenist Axel Wolf haben ihr Programm assoziativ zum Thema gestaltet. Sie spielen Barockmusik und Jazz-Stücke von mutmaßlichen Straftätern. Etwa von Bellerofonte Castaldi, dem italienischen Renaissancekomponisten und Lautennisten, der auch eines Mordes bezichtigt wurde, bis hin zum Tenorsaxofonisten Charles Mingus, der sich mit einem Kollegen prügelte. Der Abend wird durch diese Geschichtchen lebendig, auch Strafrechtler Albrecht reichert seine Ausführungen mit Fallbeispielen an.

Wie sehr auch jede Wissenschaft nach höheren Zielen strebt, zeigt das anstehende Themenkonzert: Am Dienstag, 31. Januar, spricht die Astrophysikerin Svitlana Zhukovska im Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching über die "Astronomie der kommenden Jahre". Anschließend spielt das Opera Brass Quintett Werke von Johann Sebastian Bach bis Samuel Weber.