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Musik:Ilia Antoniadis und Levent Geiger

Von Helmut Mauró

Die beiden Pianisten, die hier als vierhändiges Duo auftreten, sind so jung, dass man nicht wissen kann, ob sie mit 20 Jahren auch noch mit dieser impulsiven Energie, der schier unbändigen Bühneneuphorie zu Werke gehen, die aus klassischen und auch jazzigen Partituren ein musikalisches Ereignis machen. Ilia Antoniadis, der musikalisch sensiblere, steckt noch im Begabtenprogramm am Salzburger Mozarteum, der andere, Levent Geiger, probiert neben dem Klavierspiel noch andere Instrumente und hat den größeren Teil seines Ehrgeizes auf die Kunst der Darstellung verlegt, vertraut dem Unterhaltungsaspekt vielleicht etwas mehr als der rein musikalischen Kunstwirkung. Dass es dafür aber auch eines Talentes bedarf, damit aus Karaoke-Lustigkeit wirklich Bühnenhumor wird, zeigte warnend der halblustige Live-Abend im Münchner Künstlerhaus. Auf ihrer CD "Crossing Lines" (Uni Mozarteum) ist davon Gott sei Dank nichts zu hören. Hier brillieren zwei Nachwuchspianisten auf erstaunlich professionellem Niveau - mit dem sie schon live überzeugten. Über eine beneidenswert sichere Technik verfügen beide, ebenso über die dadurch noch gesteigerte Spielfreude. Die überträgt sich ja immer sofort auf das Publikum - mehr Show braucht kein Mensch. Nur in der Grundhaltung gegenüber einem Ungarischen Tanz von Brahms oder einer Lisztschen Rhapsodie zeigen sich die Unterschiede. Antoniadis scheint an die Macht der Musik zu glauben, er sucht in der Melodie- und Klangentfaltung sein künstlerisches Heil - und überzeugt. Der Mehrheitskonsens, erst mit dem Älterwerden verfüge man über nötige Lebenserfahrungen, um die Musik so tiefgründig zu gestalten, wie sie die schicksalsgebeutelten Komponisten zitternd zu Papier brachten, hält sich hartnäckig. Wird aber leider von vielen älteren Musikern praktisch widerlegt. Umgekehrt ist die Einspielung der Chopin-Klavierkonzerte durch den 12-jährigen Evgeny Kissin noch immer staunenswert. Deshalb hört man auch diese CD besser ohne weitere Information über die beiden Pianisten. Neben Stücken von Mozart, Brahms, Piazzolla, Rachmaninow gibt es eine herrlich virtuose Fassung des "St. Louis Blues". Natürlich klingt der viel zu optimistisch - ein Jubel-Blues. Gibt es den? Jetzt schon

© SZ vom 22.12.2018
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