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Nachruf auf MF Doom:Der Mann mit der eisernen Maske

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Die großen Hallen waren ihm stets zu eng: der Rapper Daniel Dumile alias MF Doom.

(Foto: Getty Images/AFP)

MF Doom war der kritische Avantgardist unter den großen Rappern der Nullerjahre, sein Album "Madvillainy" gilt als Meilenstein. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist er schon im Oktober im Alter von 49 Jahren gestorben.

Von Felix Stephan

Der New Yorker Rapper Daniel Dumile veröffentlichte sein erstes Album im Jahr 1989, zu einer Zeit also, als sich der MC von seiner ursprünglichen Rolle als reiner Partyansager emanzipiert hatte, Rap als lyrische Kunstform etabliert war und Gruppen wie Run DMC, A Tribe Called Quest und Public Enemy gerade zu ihren Weltkarrieren ansetzten.

Das Album hatte er zusammen mit seinem Bruder Dingilizwe aufgenommen und es wurde ein mäßiger Erfolg. Als das zweite Album fertig war, starb der Bruder bei einem Autounfall. Das Label wollte das Album ohne den zweiten Frontmann nicht veröffentlichen und Daniel Dumile verschwand von der Bildfläche. Während Hip-Hop in den Neunzigern zur prägenden Stilrichtung des Pop avancierte, ist von Dumile aus dieser Zeit nicht viel mehr überliefert, als das Gerücht, er habe sich um seinen Sohn gekümmert.

1997 veröffentlichte er "Dead Bent", den ersten Song unter dem Künstlernamen MF Doom. Enttäuscht von den Mechaniken der Popindustrie, verbarg Dumile sein Gesicht fortan hinter einer Maske aus Eisen, eine Anspielung auf den Marvel-Charakter "Dr. Doom", aber auch nicht weit weg von Alexandre Dumas' "Mann mit der eisernen Maske". Das MF in seinem Künstlernamen steht für "Metal Face".

Seine Texte waren nahbar, sein Stil kompliziert und avantgardistisch

In seinen Videos kultivierte Dumile eine Ästhetik der Antipersonalisierung, er trat nur verwischt, verschattet oder als animierter Comic-Charakter auf. Bei seinen Konzerten ließ er später bisweilen andere Rapper auftreten, die sich als MF Doom ausgaben.

Seine Inszenierung verband den unterdrückungsstolzen Gestus des Rap mit der kritisch informierten Verweigerungstheatralik des Grunge, seine Texte waren schlau und nahbar, sein Stil mit den irrsinnigen Binnenreimkaskaden und den permanenten Brüchen und Abbiegungen kompliziert und avantgardistisch.

Während Rap als Form der großen Hintern, großen Autos und großen Egos zur globalen Millionenindustrie wurde, entwickelte Dumile sich als MF Doom zu einer Art "author's author" des Genres: Geliebt und verehrt von den bekanntesten Rappern des Planeten, selbst aber zu hintergründig und frickelig für die großen Bühnen. Ein Rapper, über den Ta-Nahesi Coates zwar im New Yorker einen mehrseitigen Essays schreibt, dem die großen Hallen aber gedanklich immer zu eng waren. Das Album "Madvilliany" aus dem Jahr 2004, seine Kooperation mit dem ebenfalls als intellektuellen Tüftler verschrienen Produzenten Madlib, gilt heute als maßgeblich.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Daniel Dumile schon am 31. Oktober 2020 im Alter von 49 Jahren gestorben.

© SZ
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