bedeckt München 23°
vgwortpixel

Mediaplayer:Neu auf DVD

Marrakesh film festival with tributes to US actors Robert de Niro and Robin Wright

Die Regisseurin Agnès Varda.

(Foto: AFP)

Agnès Varda entdeckt in ihrem Dokumentarfilm "Augenblicke" die französische Provinz neu. Lisa Immordino Vreeland porträtiert in "Love, Cecil" den Designer und Starfotografen Cecil Beaton und wie er die Mode und das Kino prägte.

Pirou heißt der kleine Ort, den Agnès Varda und JR in "Augenblicke" auf ihrer Fototour durch Frankreich finden, Pirou-Plage. Varda, die seit über fünfzig Jahren Filme macht, parallel zur legendären Nouvelle Vague, an ihr vorbei und am Ende sie überholend, ist etwa dreimal so alt wie ihr Juniorpartner, der Streetart-Künstler JR. Ein kleiner Film über das große Glück der Lehr- und Wanderjahre. Gemeinsam fahren sie durch die Dörfer, holen die Menschen auf die Straßen, fotografieren sie und kleben die Bilder an die Wände der Häuser. Pirou ist ein ganz besonderes Dorf, es wurde nie fertiggebaut, es ist von Haus aus voller Ruinen und wirkt deshalb so wohnlich. (Weltkino)

Die Geschichte eines Wanderers. Sterling Hayden, Hollywoodstar, im Zweiten Weltkrieg versorgte er Titos Partisanen mit Munition und Nachschub, der Kampf für Freiheit brachte ihn mit den Kommunisten zusammen. Er trat in die Partei ein, wurde nach dem Krieg als Zeuge vors berüchtigte HUAC des Senats bestellt, das Komitee gegen unamerikanische Umtriebe, nannte die Namen von Kollegen, vermied so die schwarze Liste. Der Verrat quält ihn, Hayden steckt nun in einem Krieg gegen sich selbst. Schließlich nimmt er seine Jungs und bricht mit ihnen zu einer großen Fahrt auf, mit seinem Segelschiff, dem Wanderer. "Wanderer" heißt auch das Buch, in dem er seine Geschichte erzählt. Der Münchner Filmkritik-Autor Wolf-Eckart Bühler hat in den Achtzigern zwei Filme zu diesem Buch, dieser Hollywoodzeit, der Figur Hayden gemacht. Er hat Hayden auf seinem alten Hausboot besucht, auf dem er in Frankreich lebte, lässt ihn in "Pharos of Chaos" vor der Kamera sich erinnern, vorlesen, reflektieren. Hayden tut das sehr gemächlich, emphatisch, ein bisschen affektiert und oberlehrerhaft, auch angetrunken. Die Ereignisse um Haydens Aussage hat Bühler dann in dem Film "Der Havarist" nach-spielen lassen von Kollegen und Freunden, Edgar Selge, Hans Günther Pflaum, Michael Krüger ... Hayden selbst gibt es dreimal, Rüdiger Vogler, Burkhard Driest, Hannes Wader (Edition Filmmuseum). Sterling Haydens berühmtester Film ist eben neu auf DVD erschienen, "Johnny Guitar" von Nicholas Ray, mit Joan Crawford. Ein Heimkehrerwestern, Reflexion auf die Kommunistenjagd der Fünfziger, von der Nouvelle Vague zur Legende erhoben. Ich verstehe Johnny Guitar nicht, sagt Hayden, ist er "a jerk like me?" (Explosive) Ebenfalls mit Sterling Hayden: "Crime Wave", von Andre de Toth, ein fieses kleines nächtlich-schwarzes Gangsterstück. (Filmpalast)

Eine schöne, traditionelle Kinodokumentation, in der das ganze vorige Jahrhundert steckt: "Love, Cecil" von Lisa Immordino Vreeland. Über den großen Cecil Beaton, der als Designer und Starfotograf jahrzehntelang den Look von Mode und Kino prägte. Einmal hätte er sich beinahe die Karriere verpatzt, weil er in einer Zeichnung ein antisemitisches Schimpfwort platzierte. Er machte Bilder vom Krieg in London, von der Queen bei der Krönung, von Audrey Hepburn in Ascot. Am meisten war er damit beschäftigt, sich selbst in Szene zu setzen, mit arrogant charmanter Ironie. (Arthaus)

Ein kleiner verquerer Familienfilm aus Brasilien, "Gute Manieren", von Juliana Rojas und Marco Dutra. Die junge Ana ist schwanger, sie heuert zur Hilfe Clara an, die kochen, putzen, streichen soll. Ana giert nach Fleisch, blutigem Fleisch, sie musste die Familie, das Dorf verlassen, weil man dort die Vollmondnächte fürchtet und die monströsen Verwandlungen, die sie bei manchen Menschen bewirken. Auch in São Paulo aber gibt es Leute, die bei bestimmten Anzeichen gleich den Priester holen. (Edition Salzgeber)

Sevilla im Jahr 1497, die TV-Serie "Die Pest" von Alberto Rodríguez, der auch bei uns bekannt wurde mit "Mörderland". Die einst so bedeutende Handelsstadt ist am Ende, die Pest hat sie im Griff ... und die Heilige Inquisition. Mateo soll den unehelichen Sohn eines Freundes retten, der als Bastard auf den Straßen der Stadt lebt. Das Gespinst der Intrigen ist undurchdringlich, zwischen Seuche, Mord und Fanatismus, auch Mateo muss sich vorsehen, weil er Protestant ist. (Polyband)

Ein wenig bekannter Poe-Film von Roger Corman, "Das Grab der Lygeia". Vincent Price muss seine Frau begraben und weiß doch, dass sie nicht tot ist. Corman hat diesmal Lust aufs Filigrane, das fängt mit den Locken von Price an und endet in dem ziselierten Artwork der Ausstattung. Das Drehbuch ist von Robert Towne, der "Chinatown" schrieb und an "Mission: Impossible" Teil eins und zwei mitarbeitete. Am Ende geht natürlich alles in Flammen auf. (Koch Media)

© SZ vom 03.12.2018
Zur SZ-Startseite