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Mediaplayer:Neu auf DVD

"Pans Labyrinth" von Guillermo Del Toro: böse, surreal. Dazu "Maria Magdalena" von Garth Davis; zwei Western mit Gary Cooper; Phil Jutzis "Hunger in Waldenburg".

Mediaplayer 29.8.2018

Ein kleiner schwarzer Film vom Exil auf Erden, Pans Labyrinth, von Guillermo Del Toro, der dessen Oscar-Erfolg "The Shape of Water" durchaus ebenbürtig ist. Wuselige schwarze Insekten schwirren durch den Film mit schnarrendem Flügelschlag, es könnten Feen sein, sie weisen den Weg, warnen, werfen sich mutig in den Kampf gegen den größten Gegner, wie die kleinen Flieger, die King Kong attackieren auf dem Empire State Building. Sie helfen der kleinen Ofelia bei den drei Aufgaben, die sie erledigen muss, damit sie in ihr unterirdisches Reich zurückzukehren kann, dort ist sie Prinzessin. Die Erinnerungen an diese Existenz sind nur schattenhaft, ein paar Scherenschnitte in einem Buch. Es ist Spanien 1944, der Bürgerkrieg ist zu Ende. Die exilierte Ofelia lebt mit der Mutter im Haus des Hauptmanns Vidal, der von der Mutter endlich den ersehnten Sohn haben will. Derweil jagt er unerbittlich die Widerständler gegen Francos Regime. Arroganz und Folter, er ist monströser als die Monster im faunischen Labyrinth. Natürlich merkt er erst spät, dass er den Feind im eigenen Haus hat. Er hat nur eine Sorge: dass der Sohn einst den genauen Zeitpunkt erfahren möge, an dem der Vater gestorben sein wird. Wie immer bei Guillermo Del Toro ist die Produktionsgeschichte vielsagend für den Film, sie ist im Bonusmaterial ausführlich dokumentiert. (Capelight)

Zwei weitere Filme mit rebellischen jungen Frauen. Alicia Vikander ist Lara Croft in der neuen Version der erfolgreichen Game-Geschichte Tomb Raider. Ihr Vater hat sie verlassen, um nach der sagenhaften Königin Himiko zu suchen, deren Berührung tödlich ist, nun wird er vermisst. Lara ist Radkurierin, bei einer Verfolgungsjagd saust sie durch die Straßen von London, verbissen wie seinerzeit Tati im "Schützenfest": Rapidität, Rapidität. (Warner)

Mediaplayer 29.8.2018

Rooney Mara ist Maria Magdalena im gleichnamigen Film von Garth Davis. Die erste Jüngerin Jesu, aber weil die Verkündigung des Glaubens Männersache ist, wurde sie in der christlichen Überlieferung als Hure deklariert. Sie hat heilende Kräfte als Hebamme und läuft ihrer Familie davon, weil Vater und Brüder sie verheiraten wollen und gar einen Exorzismus vorhaben. Auch in der Jüngerschaft gibt es Männer-Widerstand, und manchmal grinsen sie sich vielsagend an wie zwei Buddies, Maria und Jesus, verkörpert von Joaquín Phoenix. Gedreht wurde in den Tagen der Präsidentenwahl 2016, als viele glaubten, bald würde es die erste US-Präsidentin geben ... (Universal)

Zwei Filme mit Gary Cooper vom Anfang der Fünfziger, Distant Drums/Die Teufelsbrigade, von Raoul Walsh, und Springfield Rifle/Gegenspionage, von André de Toth. Ein Floridawestern - Cooper lebt an einer kleinen Lagune im Urwald mit unglaublich weißem Sand und türkisfarbenem Wasser, er erobert mit einem Trupp ein Fort der Waffenhändler, darauf werden sie gnadenlos von den Seminolen durch die Everglades gejagt - und ein Bürgerkriegswestern - Cooper wird wegen Feigheit aus der Nordstaatenarmee ausgestoßen und schließt sich einem Haufen Viehdiebe an, zum Zwecke dessen, was der deutsche Titel leider großspurig signalisiert. Dazwischen hat Cooper "High Noon" gedreht, puritanisch, pedantisch und schwarz-weiß, ganz im Gegensatz zur archaisch farbigen Wildheit Amerikas der beiden anderen Filme (Schroeder Medien).

Mediaplayer 29.8.2018

Soziales Elend in den Zwanzigern, Kampf um die Existenz: Um's tägliche Brot/Hunger in Waldenburg, 1929, von Phil Jutzi. Er hat bei der proletarischen Firma Prometheus gearbeitet, dort die Russenfilme für den deutschen Verleih eingerichtet - auch Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" - und selber Filme drehen dürfen. "Waldenburg" vermerkt in Bildern die nackten Zahlen des Alltags im schlesischen Kohlerevier, beim Lebensmittelladen muss angeschrieben werden, die Kinder schlafen in Margarinekisten, die alten Männer ducken sich weg hinter ihre Webstühle. Der Sohn geht davon, will sein Glück versuchen in einer Kohlenzeche. Er kommt bei einer jungen Witwe unter, mit drei Kindern. Es wurde fast nur mit den Leuten aus dem Revier gedreht, besonders die Frauen haben starke Präsenz. Es gibt in all der Misere auch ein heftiges sinnliches Verlangen. Waldenburg wurde von der Zensur stark gekürzt, später von den Nazis verboten. Phil Jutzi hat noch "Mutter Krausens Fahrt ins Glück" gedreht, nach Heinrich Zille, und die erste Verfilmung von Döblins "Berlin - Alexanderplatz", mit Heinrich George. Jutzi ist dann in die NSDAP eingetreten, hat aber im Filmgeschäft nie wirklich Fuß fassen können. Kracauer nannte ihn "eine Hoffnung", in einer Kritik zu "Waldenburg" heißt es emphatisch: Hingehen! Ansehen! Erleiden! Helfen! (absolut medien)