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Mediaplayer:Ein Museum stellt sich aus

Heinz Emigholz ergänzt seine Filmserie "Photography and beyond" um ein Porträt der Kunsthalle Mannheim. Und Klaus Kinski und Curd Jürgens landen einen spektakulären Coup in der Rue Latour.

Nun gibt's auch Kräne bei Heinz Emigholz . . . Viele Jahre lang ist er durch die Kontinente gefahren und hat die Bauten großer Architekten gefilmt, für seine Filmserie "Photography and beyond", in einzelnen statischen Einstellungen aus diversen Winkeln. Plastisch und visionär sind hier Geschichte und Funktionalität in knappen Einstellungen konzentriert. Nun hat Emigholz, für Film Nr. 29 der Serie, Years of Construction, sich einem Museum gewidmet und seiner Geschichte, der Kunsthalle Mannheim und ihren Baujahren 2013 bis 2018 - in denen der alte Jugendstil-Bau von 1907 restauriert, das Erweiterungsgebäude von 1983 abgerissen, mitsamt dem drunter befindlichen Nazibunker, und ein neues Museumsgelände vom Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner gestaltet wurde. Ein Langzeitprojekt, im Auftrag der Kunsthallen-Leiterin Ulrike Lorenz. Ein Museum stellt sich aus. Man sieht viel von der Stadt, deutsche Springbrunnen und Straßenbahnen, die im nüchternen Blick von Heinz Emigholz fremder wirken als dann all die moderne Kunst im Inneren des Museums. (Filmgalerie 451)

Noch ein deutscher Filmemacher, der rastlos unterwegs ist, bis ans Ende der Welt - Wim Wenders. Sein neuer Film Grenzenlos/Submergence ist die Liebesgeschichte einer Tiefseetaucherin und eines Wasserbauingenieurs, Alicia Vikander und James McAvoy, sie beginnt heiter und sophisticated am französischen Meeresstrand und führt ins tiefste Schwarz, in die große Abblende, von der das Kino nicht aufhört zu träumen. (Warner)

Ein böser kleiner deutscher Film, der sich quer zu allem stellt, 1961, kurz nach Beginn der Nouvelle Vague in Paris und kurz vor dem Oberhausener Manifest des jungen deutschen Films - Bankraub in der Rue Latour. Ein Coup auf offener Szene,kaschiert als Filmdreh. Klamotten sind immer dann unwiderstehlich, wenn man den Spaß spürt, den die Filmemacher hatten. Besonders großen hatten hier Klaus Kinski, als egomaner Drehbuchschreiber, seine womöglich schrecklichste Rolle, und Curd Jürgens, der auch Regie führte. (Filmjuwelen)

Paris ist auch der Schauplatz in Phantastische Tierwesen/Grindelwalds Verbrechen, wo Joanne K. Rowling Figuren und Atmosphäre ihrer Harry-Potter-Welt fortspinnt. Es ist das Krisenjahr 1927, eine Gruppe von Populisten unter den Zauberern will die Reinheit der Welt erreichen, sehr zu Ungunsten der Menschen. Wie immer wird das Kino besonders lebhaft, wenn Kids die Sache in die Hand nehmen müssen, hier Eddie Redmayne, weil die Erwachsenen nicht mit den Problemen fertig werden. Man hat dem zweiten Teil der Serie vorgeworfen, er sei zu überladen, aber das ist einfach das Merkmal großer mythologischer Kunst. (Warner)

Nochmal überforderte Eltern, in Australien: Spurlos/Strangerland, der erste Spielfilm der Dokumentarfilmerin Kim Farrant. Eine Familie muss in ein Kaff im Outback ziehen, die Ehe der Eltern, Nicole Kidman und Joseph Fiennes, ist eine Farce. Ein ausgedörrtes Land, überall unbefriedigte Lust. Eines Morgens sind Tochter und Sohn verschwunden. Ein Sandsturm kommt. Der Film liest die Szenen dieser Ehe in dem Tagebuch der Tochter, das grell und böse und eruptiv ist wie ein Comic. (Koch Media)

Zwei amerikanische Tänzer machen Actionfilme. Jack Donohue hat am Broadway in den Ziegfeld Shows angefangen, ging dann nach Hollywood, machte Fernsehshows, viele mit Frank Sinatra. Mit dem hat er dann 1967 "Assault on a Queen" gedreht, Überfall auf die Queen Mary. Ein paar Ex-Seeleute und ein paar junge Leute aus Italien geben die Unterwasserschatzsuche auf und versuchen sich an einem verrückten Coup, sie wollen den Luxusdampfer Queen Mary überfallen. Ihr Vehikel ist ein U-Boot aus dem Weltkrieg, das sie heben und wieder flottmachen. Das U-Boot ist eine magische Bühne, auf der die Menschen sich mit Zärtlichkeit und Präzision bewegen. (Koch Media)

Außerdem: ein Western von 1970, der bei uns Geschossen wird ab Mitternacht heißt, mit James Stewart und Henry Fonda als Cowboys, die Hunderte von Meilen reiten nach Cheyenne, wo Stewarts Bruder ihm den Cheyenne Social Club vermacht hat, so der Originaltitel. Der ist ein gediegenes Hurenhaus. Stewart braucht nicht lang, um die Formen der neuen Bürgerlichkeit zu übernehmen - und er kann den Pfarrer des Städtchens beruhigen, als der ihn nach der moralischen Qualität eines jungen Mannes fragt, der heiraten will: Der sei ganz in Ordnung, jeden Sonntag ginge er pünktlich in die Kirche - 'sobald er bei uns fertig ist'. Es ist der letzte Film, den Gene Kelly inszeniert hat. (Filmklassiker)