Die Erzählungen von Maylis de Kerangal haben etwas Kristallines, eigenartig Funkelndes, sie entwickeln einen verführerischen Reiz. Das ist umso verblüffender, als es mit der Handlung gar nicht so viel zu tun hat. Auch die fast ausnahmslos weiblichen Hauptfiguren stehen nicht so eindeutig im Mittelpunkt, wie man es erwarten könnte. Es geht eher um die Perspektive und um einzelne Phänomene, die eine Eigendynamik erzeugen, um ein ästhetisches Surplus.
LiteraturRisse in der Wirklichkeit
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In Frankreich gilt Maylis de Kerangal als eine der bedeutendsten Autorinnen ihrer Generation. Ihr betörender Erzählband "Kanus" zeigt sehr genau, warum.
Von Helmut Böttiger
