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Malerei:Bernard Boissel

(Foto: Boissel)

Abstrakte Kraft, wuchtige Farben: Endlich wird das Gesamtwerk des in München lebenden französischen Malers Bernard Boissel in zwei Bildbänden zusammengefasst. Und dann ist da noch diese Ausstellung in Hohenaschau!

Von Gottfried Knapp

Der in München lebende französische Maler Bernard Boissel hat das Geschehen auf seinen abstrakten Bildern mit erstaunlicher Konsequenz auf ganz wenige freie Gesten und wenige unvermischte Farben reduziert. In vielen seiner Ölbilder verwendet er nur die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau und lässt Zwischenfarben wie Grün aus den übereinandergewischten Farbgesten entstehen. Nach einer Phase, in der er die übereinandergestreuten Farbelemente zu fast opaken Flächen verdichtet und dann durch Rasierklingenschnitte wieder geöffnet hat, lockerte er die Strukturen auf und erreichte im Gegen- und Ineinander der Farbwürfe eine Leichtigkeit, die sich auf den Betrachter überträgt. Wie auf unserem Beispiel aus dem Jahr 1998 scheinen sich in vielen Arbeiten die durch den Bildraum wirbelnden Farbbänder, Kleckse, Streifen und Spritzer vom weiß-neutralen Grund zu lösen und schwerelos im Raum zu schweben.

Ähnlich durchlichtet und durchlüftet sind auch Boissels Zeichnungen. Die fast beiläufigen Kritzeleien mit Buntstift und Kohle und die Andeutungen mit Acryl auf Papier, die alle gegenständlichen Zufälligkeiten strikt vermeiden, wirken wie Zeichen einer allmählich sich formierenden Ursprache. Diese graphischen Notate lassen Kräftefelder auf dem Blatt entstehen, die sich gegenseitig aufladen und die Blätter in Spannung halten.

In den letzten Jahren hat Boissel sein zeichnerisches Werk durch abstrakte fotografische Motive, die er per Fotoprint auf das zu bearbeitende Zeichenpapier setzte, noch einmal differenziert. Die Laute, die er mit seinen Zeichen aussendet, korrespondieren nun also mit Andeutungen aus der Wirklichkeit.

Um Auftritte in der Öffentlichkeit hat sich Bernard Boissel nie gekümmert. Doch anlässlich seines 70. Geburtstages hat er sein künstlerisches Werk in zwei stattlichen Bildbänden zusammengefasst, die mit vorzüglichen Einführungen von Manfred Schneckenburger und Elmar Zorn 2015 und 2017 im Damm und Lindlar Verlag Berlin erschienen sind. Übrigens: bis 17. Dezember sind Werke von Boissel in der Jahresausstellung des Kunstund Kulturvereins Hohenaschau in den schönen Galerieräumen am Fuß des Schlosses Hohenaschau zu sehen.

© SZ vom 11.11.2017
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