Mahnmal Neu auf Ground Zero

Rückkehr bei Nacht: 25 Tonnen wiegt die Bronzekugel des Bildhauers Fritz Koenig, die vor den Anschlägen von 9/11 am World Trade Center stand.

(Foto: Peter Morgan/AP)

52 Tonnen Bronze stehen wieder dort, wo sie vor 15 Jahren standen: auf dem Gelände des World Trade Centers. Die Skulptur des Bayern Fritz Koenig erinnert nicht nur an den Frieden.

Von Andrian Kreye

In New York wurde die siebeneinhalb Meter hohe Bronzeskulptur "The Sphere" des bayerischen Bildhauers Fritz Koenig wieder an ihren ursprünglichen Standort, auf das Gelände des World Trade Centers zurückgebracht. Was für die Stadt ein gleich dreifach symbolischer Akt ist, wobei das offiziell natürlich keineswegs so gemeint ist.

Ursprünglich sollte die Bronzekugel aus 52 Einzelsegmenten die friedensstiftende Wirkung des Welthandels symbolisieren. Nun kann man über den politischen Kern dieser Botschaft einige Häme verlieren. Man kann auch überlegen, ob das Bronze-Monument einen Platz in der Kunstgeschichte verdient. Das gilt allerdings gerade in New York für fast alle Kunst-am-Bau-Werke. Die sind zwar gesetzlich vorgeschrieben. Ästhetische Vorgaben gehören allerdings nicht zu den Vorschriften, weswegen die Skulpturen vor New Yorker Wolkenkratzern meist ähnlich kraftstrotzen, wie die Ambitionen ihrer Erbauer.

Ihre eigentliche symbolische Aufladung bekam Fritz Koenigs Kugel allerdings erst nach den Anschlägen. Wie durch ein Wunder überlebte die Skulptur die Anschläge des 11. September 2001 zwischen den einstürzenden Zwillingstürmen weitgehend unbeschadet. Wobei gerade die leichten Schäden dem Werk seine neue Bedeutung gaben. Verbeult und gar nicht mehr so kugelig stand "The Sphere" erst einmal wie fast alle Fundstücke rund um den Anschlagsort eine Weile auf den Asservatenfeldern beim Flughafen. Fritz Koenig wollte eigentlich auch gar nicht, dass die Skulptur wieder aufgestellt wird.

Doch dann stellte die Hafenbehörde von New York und New Jersey, der das Grundstück des World Trade Center bis heute gehört, die Kugel nicht weit vom Anschlagsort im Battery Park an der Südspitze Manhattans wieder auf. Dort wurde "The Sphere" zum inoffiziellen Mahnmal. Angehörige und Freunde der Opfer kamen hierher, um der Toten zu gedenken. Während sich die Touristen und Gedenkwallfahrer um die Lücken im Bauzaun um das World-Trade-Center-Gelände drängelten, fanden sie hier mit Aussicht auf die Freiheitsstatue einen Ort der Ruhe.

Nach einer Entscheidung der Hafenbehörde im vergangenen Jahr bekam die Kugel nun rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zum sechzehnten Jahrestag der Anschläge einen Platz im neuen Liberty Park im Schatten des neuen World Trade Centers.

Die dreifache Symbolik erschließt sich rasch. Zum einen hat es über fünfzehn Jahre gedauert, bis sich die Behörden, Gedenkvereine und Kommissionen darauf einigen konnten, ein nicht von der Bürokratie, sondern von den Betroffenen zum Mahnmal erkorenes Kunstwerk an den Ort des Anschlages zu bringen. Ähnlich zäh verliefen alle Verhandlungen rund um den Wiederaufbau. Zum anderen wird nun inmitten des prächtigen neuen Gebäudekomplexes ein Stück Ruine stehen, das stärker noch als das offizielle 9/11-Memorial daran erinnert, wie fragil dieser Welthandelsfriede doch ist. Und schließlich erinnert der späte Umzug daran, dass die Folgen der Anschläge noch lange nicht verarbeitet sind. Und damit sind nicht nur die über eintausend Toten gemeint, die immer noch nicht identifiziert wurden.