"Männlich" von Samy Deluxe "Straßen-Rap ist auch deutsche Kultur"

Sie haben zwar nie Gangsta-Rap gemacht, dennoch war die Musik des jungen Samy Deluxe deutlich härter als auf dem neuen Album. Sind Sie als erwachsener Rapper musikalisch offener?

Ich mache immer noch viele Sachen, die teilweise härter klingen als früher, weil man es heutzutage einfach lauter hinbekommt. Es war aber eine bewusste Entscheidung, dass auf dem Album eine kontinuierlich musikalische Ebene den harten Rap begleitet.

Die Dualität, die den Männlichkeits-Begriff Ihrer Meinung nach ausmacht?

Genau. Xavier Naidoo ist ja nicht weniger ein Mann, nur weil er singt. Es ist sehr männlich, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, egal ob es Aggression oder Herzschmerz ist.

Sie haben auf Ihrem Album einen Song mit den Fantastischen Vier gemacht. In der Rap-Szene galt die Band früher als kommerzielles Feindbild. Waren Sie der gleichen Meinung?

Das erste Album der Fantastischen Vier "Jetzt geht's ab" war das erste deutsche Rap-Album, dass ich gehört und richtig gefeiert habe. Als 1992 "Die da" rauskam, war ich auf meiner ersten HipHop-Jam, auf der das Publikum gegen die Fantas skandierte, ohne dass sie da gewesen wären oder ein Song von ihnen gespielt wurde. Man war damals dagegen, weil sie der Anti-Christ waren und der Gedanke herrschte, dass die Fantas unsere Kunstform ausverkaufen würden. Aber die Jungs haben über die Jahre bewiesen, dass sie eine geile Instanz für Musik sind und viel mehr für Rap getan haben, als die meisten es sich auf die Fahne schreiben können.

Die "Sell-Out Samy"-Vorwürfe, bei denen Ihnen der künstlerische Ausverkauf attestiert wurde, haben Sie ja auch zu Anfang ihrer Karriere begleitet.

2001 kam mein Debütalbum bei einem Major Label raus und weil es so erfolgreich war, gab es, ohne dass sich die Musik verändert hätte, den Sell-Out Vorwurf. Weil die Leute mich so bewerteten, habe ich schnell gelernt, dass ich andere nicht nach diesen Maßstäben beurteilen sollte. Ich versuche, Musik immer nach persönlichem Geschmack zu bewerten. Wenn sie mir nicht gefällt, dann höre ich sie mir eben nicht an. Als Beobachter konnte ich mich bei den Fantas erfreuen, weil sie immer erfrischend waren und geile Moves gebracht haben, wie mit dem Video zu "Troy".

Sie waren einer der ersten kommerziell erfolgreichen Deutschrapper. Heute stürmen Rap-Alben am laufenden Band die Charts. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Alles entwickelt sich in Zyklen. Seit 2011 geht gefühlt jedes Album auf Platz Eins der Charts. Das hat natürlich zur Folge, dass viele Künstler unter Vertrag genommen werden, die dann zwar hoch charten, aber doch nicht so viel verkaufen. Es ist schwer zu beurteilen, weil die HipHop-Szene kein in sich geschlossener Markt ist.

Stichwort Straßen-Rap: Wird Deutschrap mittlerweile vom Mainstream akzeptiert?

Wenn jemand in einer Woche 100.000 Platten verkauft, dann kann niemand verleugnen, dass das nicht Teil von deutscher Musikkultur ist. Straßen-Rap ist auch deutsche Kultur. Man kann inhaltlich und musikalisch davon halten, was man will, aber ich finde es gut, dass weniger privilegierte Schichten auch ein Sprachrohr haben. Man kann nur glücklich sein, dass Rap uns diese Möglichkeiten bietet.