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Louvre:Weit weg und sicher

Vue d'ensemble du projet du pôle de conservation du musée du Louvre

So soll das Louvre-Kunstlager 2018 aussehen. Der Hauptgrund für den Neubau ist die Hochwassergefahr in Paris.

(Foto: Rogers Stirk Harbour + Partners/Mutabilis)

Der Louvre bekommt neue Lagerräume - 200 Kilometer von Paris entfernt. Es gibt Ärger.

Von JOSEPH HANIMANN

Wie der Bau der gläsernen Eingangspyramide vor 30 Jahren im Hof des Louvre und die Eröffnung einer Museumsdependance vor drei Jahren in der Industriestadt Lens kommt auch die jüngste Louvre-Erneuerung nicht ohne Polemik aus.

Gegen das Projekt eines neuen Lagers für die über 400 000 Objekte der Museumssammlung, das im nordfranzösischen Liévin unmittelbar neben dem neuen Louvre-Lens gebaut werden soll, läuft seit Monaten ein internationaler Protestaufruf. Auch zahlreiche Louvre-Konservatoren haben ihn unterzeichnet. Es sei unsinnig, die eingelagerten Werke 200 Kilometer von Paris entfernt unterzubringen, heißt es darin, denn durch den langen Transport würden die Werke zusätzlich Schaden nehmen, die Entfernung mache den Ort für Forscher unattraktiv, außerdem die Kosten fürs Hin- und Herfahren.

Der rührige Louvre-Direktor Jean-Luc Martinez ließ sich davon nicht beeindrucken und hat nun das Siegerprojekt der englischen Architekten Roger Stirk Harbour + Partners für den 10 000 Quadratmeter umfassenden Neubau vorgestellt. Richard Rogers hat mit seinen Partnern auch den neuen Konservierungs- und Ausstellungsflügel des British Museum in London entworfen. Das eingeschossige Gebäude mit Glasfassade und begrüntem Dach in Liévin reiht die Lager- und Konservierungsräume längs eines gedeckten "Boulevards der Werke" an, der teilweise auch Besuchern zugänglich sein soll. Für die Konservatoren und Forscher wollen die Stadt Liévin und die Region Nord-Pas-de-Calais (die 49 Prozent der Baukosten übernimmt) ein Gästehaus zur Verfügung stellen. Der auf 60 Millionen Euro veranschlagte Neubau soll 2018 fertig sein. Notwendig wurde er vor allem wegen der Überschwemmungsgefahr in Paris. Bei einer Jahrhundertflut wie der von 1910 stünde die Hälfte der Pariser Innenstadt unter Wasser.

Den Vorwurf, dass hier ein Weltmuseum ausgeräumt und zur Luxusschatulle für die Hits des Massentourismus umfunktioniert werde, lässt der Louvre-Direktor Martinez nicht gelten. Der Spezialist für die griechisch-römische Antike weiß aber, dass ein Museum mit 2000 Angestellten und jährlich fast zehn Millionen Besuchern neue Formen des Managements braucht. Ob die Werke zur Konservierung oder Restaurierung 20 oder 200 Kilometer weit fahren müssen, macht für ihn keinen Unterschied. Der Louvre soll ein Ort bleiben, wo Kunstliebhaber, Touristen, Konservatoren, Kuratoren und Forscher einander über den Weg laufen.

Durch eine Splittung des Zentraleingangs unter der Glaspyramide sowie durch eine Umhängung der Sammlung in den teilweise restaurierten Räumen will das Museum zudem sein Publikum an den Massenattraktionen wie Mona Lisa, Venus von Milo und Nike von Samothrake vorbei vermehrt in andere Abteilungen locken. Liebhabern wie Massenreisenden soll der Besuch erleichtert werden, denn als der Architekt Ieoh Ming Pei einst seine Eingangspyramide baute, konnte keiner wissen, dass all die Besucher irgendwann wegen Terrorgefahr ihre Taschen vorzeigen müssen.

© SZ vom 15.07.2015

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