Die karge Landschaft deutscher Autorenhomepages bietet so ein geradezu spektakulär trostloses Panorama unversuchter Möglichkeiten. Obwohl sich vermutlich die meisten ihrer Besitzer als Schreibtischtäter viele Stunden täglich durch ihren Literaturbetrieb hindurch klicken, hat in den vergangenen Jahren geradewegs eine Regression hin zum schnöden reinen Arbeits-Portfolio stattgefunden. Begraben worden ist so nicht bloß die Hoffnung, im und durch das Netz anders schreiben zu können, sondern ebenso jeder Anflug, Autorschaft in einem alles prägenden, aufmerksamkeitszentrierten Massenmedium anders und neu zu denken.

Wo bleibt denn etwa das deutschsprachige Literaturprojekt, bei dem falsche Foren-Freunde, Phantom-Webseiten und echte Romane erfundener Autoren den Leser so in den Irrealis führen, wie das im vergangenen Jahr der "My Darklyng"-Vampirroman des amerikanischen Slate-Magazins versuchte, der sich live auf Facebook vollzog? Warum bleibt es dem bisweilen so nervig pathetischen Schriftsteller Alban Nikolai Herbst überlassen, in seiner ganzen Lebenspraxis in sein Weblog abzuwandern und dort an einer Poetik der Durchdringung von Digitalem und Analogem zu arbeiten? Weshalb schließlich wäre ein derart eindringliches und neuartiges Kunstwerk wie Michaela Meliáns virtuelles Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus "Memory Loops" für die deutschsprachige Literatur nicht einmal im Ansatz denkbar?

Es muss Gründe dafür geben, warum die deutschsprachigen Autoren ihre Autorenseiten vor allem anderen dazu benutzen, möglichst stumpfe und eindeutige Images ihrer selbst zu entwerfen, verkörpert in den lediglich graduellen Abweichungen der Gestaltungen und der Wahl der Bildmotive. Der Lyriker und Dramatiker Albert Ostermaier macht auf cool und zeigt Herren in Graufilter und Trenchcoat,  ...

Bild: www.albert-ostermaier.com 4. April 2011, 18:482011-04-04 18:48:29 © SZ vom 5.4.2011/rus