Zwischen Verlagen und Lesern brummt es also nur so vor Aktivitäten rund um die Autoren im Internet. Bloß fehlen diese Autoren selbst. Galt nicht immer Christian Kracht als Großmeister der Selbstdarstellung, muss man nicht einfach ihn anklicken, um zu wissen, wo es langgeht? Kracht übermittelt zwar bisweilen gekonnt lakonische Reisemeldungen auf Facebook, dafür aber gleicht seine eigene Homepage einem Friedhof: Ein paar ältliche Dandysprüche, Publikationsliste, Sekundärmaterial, Link auf die - freilich virtuos komponierte - Wikipedia-Biographie, und als Kuckucksei noch ein vom Verlag fad und deutlich fremdinszenierter Videotrailer. Stand: 2008/2009, als der letzte Roman erschien.

Was nicht mit dem mysteriösen Verschwinden eines Autors verwechselt werden sollte. Oder verschwinden die jetzt alle auf einmal? Innerhalb weniger Jahre sind deutsche Autorenhomepages zu bloßen Visitenkarten ihrer Namensgeber abgesunken. Keine Experimente, kaum Interessantes, wenig Aktuelles. Aktuelles jenseits von Facebook-Statusmeldungen überhaupt meist nur alle paar Jahre wieder anlässlich eines neuen Buches und der zugehörigen Lesetournee. Als der Schriftsteller Thomas Hettche vor ziemlich genau einem Jahr in der FAZ einen lauttönenden Abgesang auf die Literatur im Internet anstimmte, warnte er davor, dass die "tiefgreifende Veränderung des Verhältnisses der Leser zu Autor und Werk" im "unendlichen Mediengespräch des Netzes" die "unverwechselbare Physiognomie" wahrer Literatur unweigerlich zerstören müsse. Solche Untergangsvisionen gibt es, seit es Medienwechsel gibt. Nicht nur Hettches eigene funktional buchwerberische Webseite erzählt davon, wie ihnen von Autorenseite begegnet wird: schlichtweg gar nicht, per Maulwurfstrategie.

Bild: www.youtube.com 4. April 2011, 18:482011-04-04 18:48:29 © SZ vom 5.4.2011/rus