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"Lexicon Of Love II" von "ABC":Kalauerhaft zugespitzte Pointen

Thatcher zerschlug gerade ein ganzes Land, und die Leute wollten sich an etwas festhalten, auch an persönlichen Stilen und Typen, die bekannt aus Funk und Fernsehen immer wieder dasselbe taten.

Danach hat Fry in gewissen Abständen immer wieder versucht, an sich zu erinnern und Ideen in die Welt zu setzen - die Welt hat nur selten hingehört.

Er sprang auf Züge auf, die ihn an seine Jugend erinnerten (House), wurde schwer krank, rappelte sich zwei-, dreimal auf, landete in peinlichen Fernsehprogrammen ("Night of The Proms") und legte vor knapp zehn Jahren eine ganz akzeptable Sammlung gut gearbeiteter Gegenwartsreflexionen vor ("Traffic").

Von diesem Talent ist auch auf " Lexicon of Love II" hin und wieder etwas zu spüren. Der liebeskranke Martin aus dem Jahr 1982 soll jetzt als gereifter Wiederholungstäter die sattsam bekannte Himmelsmacht beschwören, der wir alle denn doch immer wieder so ausgesetzt seien, als wären wir 17.

Auch in unserem Alter könne man sich noch wie ein Dummkopf benehmen. Er ist ohnehin der Lieblingscharakter beider Lexika: der taumelnde Fool mit schiefsitzendem Hütchen, den man mit viel guten Willen zwischen Schnitzler-Novellen und Ophüls-Verfilmungen von Schnitzler hin und her stolpern sehen kann.

Fast alles läuft auf einen Seufzer hinaus

Fry kann nahezu kalauerhaft zugespitzte Pointen zu diesem Thema aus diesem Hütchen zaubern, die gut über gewissen Theken vor einsamen Säufern hängen könnten: "It hurts to be your enemy because it hurts to be your friend".

Aber leider bleibt nur ein Song hängen: ein komisch schmissiger Schlager über das Pop-Handwerk: "The Singer Not The Song", der hier etwas deplatziert am Post-Midlife-Liebeskrisenhimmel hängt. Der Rest läuft dann doch auf einen Seufzer hinaus, den man vor allem deswegen ausstößt, weil einem der hier auf die Summe seiner Talente zusammengeschnurrte Martin dann doch als Person irgendwie am Herzen hängt.

© SZ vom 21.06.2016/pak
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