Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Luftballonbunte Ferienreise

Erste Liebesabenteuer des kleinen Nick, hübsch verpackt in Retro-Look und Sommersonne. Und: Graf Dracula als Selbstoptimierer, der den faustischen Pakt wagt. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

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Achtzehn

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Quelle: Kinostar Filmverleih GmbH

Turbo-Erwachsenwerden: 14 waren die Mädchen, die Cornelia Grünberg porträtierte, als sie schwanger wurden. Im zweiten Teil der Langzeitdoku werden sie 18, eine hat jetzt drei Kinder. Was eine schmalzige Doku-Soap hätte werden können, erzählt tatsächlich vier faszinierende Lebensgeschichten - und öffnet die Perspektive: darauf, wie unsere alternde Gesellschaft mit Kindern umgeht.

Martina Knoben

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The Airstrip

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Quelle: Filmgalerie 451, Heinz Emigholz

Zum Abschluss seiner imposanten Architekturfilm-Serie (10 Lang- und 74 Kurzfilme) überrascht Heinz Emigholz mit essayistischer Buntheit. Zu seinen meditativ-sensuellen Raumerkundungen (Bauten von Barragán, Sulčič, Dieste, Nervi u.a.) gesellen sich Videoclip-Sürrealismus und Geschichten (Sprecherin: Natja Brunckhorst), die den "Aufbruch der Moderne" in den Kontext von Krieg, Terror und Katastrophe stellen.

Rainer Gansera

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Anderson

Sascha Anderson

Quelle: dpa

Die DDR als Kartenhaus und Illusionsgehäuse: So zeigt sie Annekatrin Hendel in ihrer Doku über den Schriftsteller Sascha Anderson, der ein Star des kreativen DDR-Undergrounds war - und ein Stasi-Spitzel. Die Unübersichtlichkeit der Verhältnisse und dieses Lebens findet sich auch in den Bildern: Die Küche, in der man sich damals traf, wurde im Studio nachgebaut, als Kulisse.

Martina Knoben

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Borgman

Wettbewerb von Cannes 2013: Borgman

Quelle: Angel Films

Heim-Invasions-Thriller des niederländischen Veteranen Alex van Warmerdam, Chronist menschlicher Merkwürdigkeiten. Der skurrile Borgman aus einem unterirdischen Verlies in eine schmucke Vorstadt-Villa - deren Bewohner an ihrem Schicksal dann nicht ganz unschuldig sind.

Susan Vahabzadeh

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Dracula Untold

Kinostart - 'Dracula Untold'

Quelle: dpa

Graf Dracula, der Selbstoptimierer? Gary Shores Neu-Interpretation des Klassikers ist muskelspielende Historienaction. Die Türken stehen nicht vor Wien, sondern vor Burg Dracula in Transsilvanien. Um Frau, Kind und Volk zu retten, wagt Fürst Vlad (Luke Evans) den faustischen Pakt und lässt alle zwielichtigen Kino-Vampire der jüngsten Vergangenheit leichenblass aussehen.

Neu im Kino: "Dracula Untold" vorgestellt im Video.

Im Bild: Luke Evans als Vlad Tepes.

Julian Dörr

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Gone Girl

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Quelle: AP

Nicks Ehefrau Amy verschwindet eines Morgens spurlos, das Wohnzimmer ist verwüstet. Die Polizei startet eine riesige Suchaktion - und verdächtigt plötzlich den verzweifelten Ehemann. David Fincher verfilmt Gillian Flynns gleichnamigen Bestseller als fiesen Borderline-Thriller über moderne Paarbeziehungen und rechnet gnadenlos mit Hollywoods ewigem Versprechen auf die große Liebe ab.

Eine ausführliche Filmbesprechung lesen Sie hier.

Neu im Kino: "Gone Girl" vorgestellt im Video.

Im Bild: Ben Affleck (links) und Rosamund Pike.

David Steinitz

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Hüter der Erinnerung

Kinostart - 'Hüter der Erinnerung'

Quelle: dpa

Eine kleine Dystopie von Philip Noyce, aus der Ecke der Narnia-Produzenten. Nach dem Bestseller von Lois Lowry. Eine Grau-in-Grau-Gesellschaft, in der die Menschen ein nicht unbedingt aufregendes Leben leben. Alles ist reglementiert wie im Wohlfahrts- oder im sozialistischen Staat. Und die Erinnerungen sind weggesperrt, mit ihrer Aggressivität, ihrer Emotion, ihrer Farbigkeit. Jeff Bridges ist der Hüter dieser Erinnerungen, man sieht ihm die Trauer an über den Verlust. Selbst das Radfahren ist nicht mehr, was es einmal war.

Im Bild: Jeff Bridges als 'The Giver' (links) und Brenton Thwaites als Jonas.

Fritz Göttler

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Der kleine Nick macht Ferien

Kinostart - 'Der kleine Nick macht Ferien'

Quelle: dpa

Erste Liebesabenteuer des kleinen Nick, hübsch verpackt in Retro-Look und Sommersonne. Rasant beginnt die luftballonbunte Ferienreise ans Meer, frei nach dem Kinderbuch von Goscinny/Sempé. Doch dann folgt Laurent Tirard lieber dem amourösen Tralala von Nicks Eltern (Valérie Lemercier, Kad Merad) und verspielt die schöne Kinder-Komplizenschaft, die er einst bei "Der kleine Nick" (2009) so munter präsentierte.

Im Bild: Valerie Lemercier als Nick's Mutter, Matheo Boisselier als der kleine Nick und Kad Merad als Vater (von links nach rechts).

Rainer Gansera

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Land der Wunder

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Quelle: Delphi

Stark biographisch und sehr präzise beobachtet erzählt Alice Rohrwacher von ihrer alternativen Kindheit auf dem Land, ihre Schwester Alba ist als Schauspielerin dabei. Der Vater, von poltischen Kämpfen müde, schlägt sich in der Toskana als Imker durch. Seine Kinder aber erwachen aus diesem Aussteigertraum, der auch harte Seiten hat.

Im Bild: Alba Rohrwacher, Sam Louwyck.

Tobias Kniebe

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Männerhort

Kinostart - 'Männerhort'

Quelle: Constantin Filmverleih

Die Männlichkeits-Krise als Resultat von Quote und Frauenparkplatz? Franziska Meyer Price hat in ihrer starbesetzten Komödie Mitleid mit den von Frauen unterdrückten Schlaffis. Platte Klischees, Stromberg-Humor und Elyas M'Barek ohne Hemd.

Neu im Kino: "Männerhort" vorgestellt im Video.

Im Bild: Cosma Shiva Hagen als Connie und Elyas M'Barek als Eroll.

Anna Steinbauer

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Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre

'Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre'

Quelle: dpa

Dinosaurier in Schwaben, Riesenlibellen am Rhein. Naturgeschichte Deutschlands in spektakulären Bildern. Schade dass Regisseur Stefan Schneider keine Erzähllinie für sein erdgeschichtliches Epos findet und ikonographisch ganz auf pathetische Naturerhabenheit fixiert bleibt. Vulkanausbrüche und Flutwellen filmt er prächtig, doch die Spielszenen mit Frühzeitmenschen schrumpfen sogleich zur Slapstick-Peinlichkeit.

Rainer Gansera

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Praia do Futuro

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Quelle: RealFiction

Liebesgeschichte zwischen einem deutschen Motorradfahrer (Clemens Schick) und einem brasilianischen Rettungsschwimmer (Wagner Moura), der Strand und Sonnenwärme von Fortalezza für einen endlosen Berliner Winter aufgibt. Der Klischee-Wechsel unterstreicht die Trennung, die Einsamkeit zweier "bodies": Wie Karim Aïnouzs Film kommen sie zu schnell zur Sache, während ansonsten nicht viel mit ihnen anzufangen ist.

Philipp Stadelmaier

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Die Reise des Akkordeons

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Quelle: Basis-Film Verleih Berlin

Ein irregeleiteter Container voller Akkordeons landet an der kolumbianischen Küste, wo das schwäbische Schifferklavier die lateinamerikanische Volksmusik beflügelt: Vier Jahre lang hat Ray Sagbini drei fidele Vallenato-Barden begleitet, die einen herzerwärmenden Kulturschock erleben, als sie die Hahnenkampfarena in der kolumbianischen Steppe mit einem Schwarzwälder Konzertsaal tauschen.

Anke Sterneborg

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Yaloms Anleitung zum Glücklichsein

Kinostart - 'Yaloms Anleitung zum Glücklichsein'

Quelle: dpa

Sabine Gisiger, die 2005 "Gambit - 30 Jahre nach Seveso" machte, hat Irvin D. Yalom vor ihre Kamera geholt, Psychotherapeut und Nietzsche-Romanautor. Er erzählt sanft und manchmal ein wenig verträumt von seinem Leben, dazu gibt es viele Momente auf oder unter Wasser. Als Therapeut bin ich ein Führer, sagt er, aber ich kenne das Terrain selber gar nicht, auf das ich die Patienten führe. Einmal landet er mit seiner Frau im Jacuzzi.

Im Bild: Irvin D. Yalom und Marilyn Yalom.

Fritz Göttler

© SZ.de
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