Kurzkritik Vital musiziert

Das 11. Aids-Konzert mit dem Münchener Kammerorchester

Von Harald Eggebrecht

Benefiz-Konzerte funktionieren doch nach eigenen Gesetzen. Also gab es nach der mit verzehrender Hingabe und die Aufmerksamkeitsenergie aller, ob Orchester, Dirigent oder Zuhörer, geradezu ansaugenden Darstellung des Violinkonzertes von Johannes Brahms durch den grandiosen Geiger Sergey Khachatryan noch zwei "Carmen"-Zugaben. Das passte nicht recht zum Verlauf des Programms, wohl aber zum Sinn eines solchen Abends. Dieses Konzertereignis sei ein Geschenk, so der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers in seinem Grußwort zum 11. Aids-Konzert im Prinzregententheater. Der neue Vorsitzende des Kuratoriums des Münchner Aids-Konzerts, Stephan Kuffler, betonte, dass alle Musiker ohne Gage aufträten. Jedenfalls kommt der Erlös aus Eintrittskarten, Tombola und Spenden wieder der Münchner Aids-Hilfe zu Gute.

Alexander Liebreich und das Münchener Kammerorchester begleiteten mit Engagement und sehr partnerschaftlich die vier Solisten. Zuerst bot Boris Giltburg Ludwig van Beethovens 2. Klavierkonzert als elegant-freches Frühwerk und erschreckte mit jener Kadenz, die der späte Beethoven in den doch so wienerklassisch klingenden Kopfsatz einschlagen lässt wie eine Bombe aus einer anderen Welt. Danach federte Daniel Müller-Schott mit schnellem Bogen-Schritt durch Joseph Haydns C-Dur-Cellokonzert: nobel ausgesungen der langsame Satz, das Finale ein wenig allzu eilig über Stock und Stein.

Nach der Pause zog der Kammerchor München ein, in der Mitte der Sänger prangte Okka von der Damerau und durchmaß mit weicher Diktion und sanfter Klangmacht die Alt-Rhapsodie von Johannes Brahms. Ihr folgte Khachatryan, der sich mit brennendem Ernst in das Violinkonzert versenkte, so abgewandt von der Welt wie der Musik unbedingt zugewandt. Ovationen für ihn und alle an einem Abend aus gutem Zweck und gutem Gelingen.