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Kurzkritik:Schön unvertraut

Julia Fischer und Studenten der Musikhochschule

Wie an- und aufregend, einem Konzert zu lauschen mit hochinteressant Unbekanntem! So geschehen in der Benefizmatinee im Max-Joseph-Saal, deren Reinerlös dem Hilfsverein Nymphenburg für die Förderung der Musikschule Vlore in Albanien zugute kommt. Zehn glänzend aufspielende Studenten der Musikhochschule boten mit der eminent präsenten, bei aller bezwingenden Grandeur ganz in den kammermusikalischen Zusammenhängen der Werke aufgehenden Meistergeigerin Julia Fischer ein alpenländisch jubilierendes Violinquartett von Ignaz Lachner, das nachgelassene Streichoktett mit Kontrabass von Max Bruch, nach der Pause den sehr eigentümlichen Klavierquartettsatz des blutjungen Kompositionsstudenten Gustav Mahler und das Klavierquintett Op. 57 von Dmitri Schostakowitsch. Er komponierte es 1940 und erntete dafür ein Jahr später den Stalinpreis als vermeintliches Musterbeispiel für frommen sozialistischen Realismus.

Lachners Quartett bewies vor allem in Kopf- und Schlusssatz, wie abwechslungsreich auch vier Violinen miteinander klingen können. Bruchs Oktett verdient es, in seiner melodiösen Feingliedrigkeit im Adagio und dann wieder orchestralen Opulenz in den Ecksätzen in die Nähe der großen Oktettverwandten von Felix Mendelssohn Bartholdy und George Enescu gerückt zu werden, auch wenn es statt des 2. Cellos hier einen Bass braucht. Staunenswert war, dass der je unterschiedliche Charakter der Stücke nicht brausendem Jugendsturm geopfert wurde. So klang der Satz des 16-jährigen Mahler nicht nur nach Vorbildern wie Brahms oder Schubert, sondern es schimmerten Ahnungen eines unverwechselbar neuen Weges durch. Und Schostakowitsch erklang nicht naiv, sondern praller Marsch und karge Adagio-Melancholie erweckten unverhohlen den Eindruck bitterster Ironie und tiefer Traurigkeit. Großer Beifall für einen entdeckungsreichen Morgen.