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Kurzkritik:Phrasierungsfrische

"Stars & Rising Stars" in der Reithalle

Am Schluss dieses begeisternden Konzerts in der Reithalle spielten die vier Musiker - Clara Shen, 12, Ziyu He, 19, beide Violine, Niu Niu, 20, Klavier, und der auch noch junge Mentor des Abends, der Cellist Danjulo Ishizaka, 38 - Sergei Rachmaninows "Vocalise" so bezaubernd, kitschfrei und in kammermusikalischem Geist, dass nur Staunen blieb über so viel spontane Musikalität, so viel Lust an instrumentalem Glanz, so viel Sinn für das symphonische Miteinander. Dabei zeigten alle, welche enormen solistischen Fähigkeiten in ihnen stecken.

Clara Shen, diese wunderbar konzentrierte, natürliche und allürenfrei agierende Geigerin, die jüngste der "Viererbande", bot zuerst das 13. Capriccio von Niccolò Paganini und eine Etude-Caprice von Henryk Wieniawski. Ihr Ton bestrickt durch sanfte Schönheit und beredte Biegsamkeit, die technischen Anforderungen der Stücke werden bei ihr nicht an schnöde Geigerei verraten, sondern tragen bei Clara Shen zur musikalischen Substanz entscheidend bei. Danjulo Ishizaka und der ungemein kommunikativ spielende Niu Niu verwandelten Robert Schumanns Phantasiestücke in poetischen Schwung. César Francks berühmte Violinsonate, von der es auch eine autorisierte Celloversion gibt, teilten sich Ziyu He und Ishizaka. Wieder war Niu Nius bei aller pianistischer Brillanz kammermusikalische Haltung zu bewundern, während Ziyu He die beiden ersten Sätze so farbenreich wie mitreißend gestaltete.

Ishizaka folgte auf dem Cello intensiv dieser Linie des jungen Geigers. Der elektrisierte nun mit dem virtuosen Aberwitz von Paganinis "Nel cor più mi sento"-Variationen alle zu Ovationen. Bei Dmitri Schostakowitschs Stücken für zwei Violinen und Klavier bezauberten Clara Shen, Ziyu He und Niu Niu mit Raffinesse und Humor. Felix Mendelssohns d-Moll-Trio (Niu Niu, Ziyu He, Ishizaka) wurde zuletzt zum strahlenden Fest von Phrasierungsfrische und melodiöser Kraft. Tosender Beifall!