Kunst und Politik Aufruf für Europas Seele

Von Karoline Meta Beisel

Es gibt "auch Menschlichkeit und Schönheit in Europa". Das konstatieren Regisseure wie Wim Wenders, Feo Aladag oder Lone Scherfig und fast 500 weitere Film- und Kulturschaffende aus ganz Europa in einer Erklärung, die sie am Dienstagnachmittag bei den Filmfestpielen in Cannes vorstellen wollten. "Wir werfen der EU manchmal - und zu Recht! - vor, Seele und Emotionen vermissen zu lassen und eine Sprache zu sprechen, die nur wenige von uns verstehen", heißt es in der deutschsprachigen Fassung der Erklärung, mit der die Unterzeichner für die Europawahl am kommenden Wochenende werben. Die Werte der EU würden heute "von allen Seiten bedroht", und zwar "auch von innen", heißt es. Bei der Europawahl gehe es nicht nur um die Zukunft Europas, sondern auch darum "ob wir überhaupt eine Zukunft haben".

Wenders ist seit 1996 Präsident der Europäischen Filmakademie und hat sich schon häufiger für die Zukunft der Europäischen Union eingesetzt; erst im vergangenen Dezember rief er gemeinsam mit mehreren Bürgerrechtsbewegungen die überparteiliche Bürgerbewegung #WeEuropeans ins Leben, um Ideen zu sammeln, wie Europa neu gestaltet werden könnte. Den Aufruf von Cannes haben auch die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, der französische Regisseur Jacques Audiard oder der griechisch-französische Regisseur und Drehbuchautor Costa-Gavras unterzeichnet.