Kunst Aug in Aug mit der Weltspitze

Mit der monothematischen Schau zu Karel Appel (hier "Untitled", 1963) ist die Galerie Jahn & Jahn aus München erstmals auf der Art Basel im Sektor "Feature" vertreten.

(Foto: Karel Appel Foundation; VG Bild-Kunst, Bonn, 2019; Courtesy Jahn und Jahn)

Die Art Basel gilt als wichtigste Messe des internationalen Kunstmarktes. Fünf Galerien aus München sind dabei, darunter Jahn & Jahn und Sabine Knust. Rüdiger Schöttle zeigt eine raumgreifende Arbeit der Französin Thu Van Tran

Von Evelyn Vogel

Besser hätte es für die Galerie Jahn & Jahn aus München auf der Art Basel wohl kaum laufen können: Erst vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss der Galerien von Vater Fred und Sohn Matthias Jahn entstanden, ist die Galerie auf Anhieb im Sektor "Feature" auf der Art Basel angenommen worden. Dort präsentiert sie sich mit einer monothematischen Schau zu Karel Appel, des 2006 verstorbenen Mitbegründers der Künstlergruppe Cobra. Und nicht nur, dass die Galeristen hoch zufrieden sind mit den Verkäufen der leuchtenden und expressiv wirkenden Appel-Werke während der ersten Tage. Auch das positive Feedback für den Stand von "sehr angesehenen, internationalen Kollegen", so Matthias Jahn, trägt dazu bei, dass sich die Premiere in Basel für Jahn & Jahn sehr gelungen anfühlt.

Fünf Galerien aus München sind in diesem Jahr wieder in Basel zugelassen. Fünf unter fast 300. Das ist nicht viel, aber immerhin. Im Hauptsektor "Galleries" behaupten sich Rüdiger Schöttle und Daniel Blau sowie die Galerie Thomas. Erstmals ist Schöttle zudem auf der "Unlimited" vertreten, dem Sektor, auf dem all die großen Installationen Platz finden sollen. Im kleinen Sektor der Editionen nicht wegzudenken ist die Galerie von Sabine Knust.

Knust zeigt eine Reihe von Neuzugängen, darunter Lari Pittman aus Los Angeles, von dem eine aktuelle Serie von Siebdrucken angeboten wird. Außerdem präsentiert sie neue Blätter von Markus Oehlen und Daniel Richter sowie ausgewählte Multiples von Gregor Hildebrand und von Regine Schumann, der einzigen Künstlerin am Stand. Zudem sind Arbeiten von den Hauptsäulen der Galerie im Bereich Druckgrafik zu sehen: Per Kirkeby und Georg Baselitz, Neues von Arnulf Rainer, eine Lichtarbeit von Keith Sonnier und - in Vorbereitung einer Ausstellung im nächsten Jahr in der eigenen Galerie - Werke von William Kentridge.

Daniel Blau konzentriert sich in diesem Jahr vor allem auf die Sechziger- und Achtzigerjahre. Es sei an der Zeit gewesen, so der Galerist, "Don Van Vliet wieder ans Licht zu holen", ein Künstler, der als Musiker als "Captain Beefhear" in Erinnerung sein dürfte. Blaus Koje ist in diesem Jahr ein wenig größer geworden. Doch von der neuen Preisstruktur der Messeleitung, das jüngere Galerien und solche mit kleineren Kojen begünstigt, ist er ebenso wenig betroffen wie die anderen Münchner Galeristen, die auf Art Basel in den Sektoren "Galleries" und "Unlimited" ausstellen. Teuer, so Daniel Blau, sei die Art Basel so oder so, aber die Stimmung sei schon im Vorfeld sehr gut gewesen. Seine Messetätigkeit hat er auf zwei Messen pro Jahr reduziert und stellt nur noch auf der Art Basel und der Paris Photo aus. Seiner Beobachtung nach setzt bei den Sammlern eine gewisse Messemüdigkeit ein - was man jedenfalls bei den Previewtagen in Basel nicht unbedingt nachvollziehen konnte.

Raimund Thomas, Teilnehmer seit Jahrzehnten, ist nach einem Jahr Pause zurück in Basel. Die Galerie hatte im vergangenen Jahr auf eigenen Wunsch pausiert - was für die Wiederbewerbung bei dem internationalen Kunstmarkt-Hotspot, der die Art Basel ist, immer ein großes Risiko sein kann. Doch für das monothematische Konzept zu Paul Klee, das Thomas vergangenes Jahr präsentieren wollte, hatte man der Galerie nicht genügend Raum angeboten, woraufhin Thomas die Bewerbung freiwillig zurückgezogen hatte. Nun hat die Galerie die Messekoje auf der Art Basel wieder mit einem "Raum in Raum"-Konzept für die etwas intimeren Arbeiten des Expressionismus gestaltet. Daneben gibt sie in einer Sonderpräsentation zwei Einzelpositionen mehr Raum: dem norwegischen Maler Edvard Munch und dem französischen Künstler Chaim Soutine.

Rüdiger Schöttle ist in diesem Jahr ein Double gelungen: Nicht nur, dass er im Hauptbereich der Art Basel, dem Galerien-Sektor, ausstellt, er präsentiert auch auf der "Unlimited" die raumgreifende Arbeit "Penetrable" der jungen vietnamesisch-französischen Künstlerin Thu Van Tran. Von ihr sind in der Koje von Schöttle im Hauptbereich auch Fotogramme zu sehen, die von Naturphänomenen handeln. Überhaupt ist der Galerie eine fast geschlossene thematische Präsentation gelungen, bei der sich fast alles um das Schlagwort "Natural" dreht. Von Thomas Struth sind mehrere Fotografien am Stand, mit denen er die Ausbeutung der Natur durch den Menschen anprangert. Eine ähnliche Thematik diskutiert auch die mexikanische Künstlerin Lorena Herrera Rashid in ihren Installationen. Dazu Arbeiten von Susan Weil, einer fast neunzigjährigen Künstlerin, die einst am berühmten Black Mountain College bei Josef Albers zusammen mit Willem und Elaine de Kooning, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Cy Twombly studierte, und von der derzeit eine Einzelausstellung in der Münchner Galerie von Schöttle zu sehen ist. Nicht zuletzt sind auch Fotos von Candida Höfer und Bilder von Karin Kneffel zu sehen, womit die Galerie Schöttle vergleichsweise viele Künstlerinnen im Angebot hat.

Eine interessante Münchner Galeristin hat es in diesem Jahr nicht auf die Art Basel geschafft und stellt stattdessen wieder auf der Liste aus, jener Förder- und Entdeckermesse für junge Kunst, aus der schon zahlreiche Neuzugänge bei der Art Basel hervorgegangen sind: Deborah Schamoni. Vergangenes Jahr war sie mit einem Gesamtkonzept von Flaka Haliti im Sektor der "Statements" auf der Art Basel vertreten. Auf der diesjährigen Liste präsentiert sie Lichtobjekte von Flaka Haliti, Papierarbeiten von Jonathan Penca und Werke des multimedial arbeitenden Künstlers Tobias Spichtig. Und ein Gesicht, das man unter anderem aus der Münchner Kunstszene kennt, ist das neue Gesicht der Liste Art Fair Basel: Joanna Kamm. Die gebürtige Münchnerin, die Co-Kuratorin von "Stop Making Sense, it's as good as it gets" im Kunstraum BNKR war, ist nun die neue Direktorin der Liste.

Art Basel und Liste Art Fair Basel, beide bis 16. Juni