Kulturpolitik Wikinger brauchen Hilfe

Nach dem Brexit fürchten die Schotten um Mittel für Museen, Theater und Festivals und um den Kulturaustausch mit europäischen Ländern. Leihgaben für Ausstellungen etwa könnten künftig zum Zollproblem werden.

Von Alexander Menden

Im August verwandelt sich die schottische Hauptstadt Edinburgh in einen einzigen riesigen Aufführungsort. Jede Garage, jedes Kellerloch wird zur Bühne oder zur Galerie, um dem Ansturm der Teilnehmer an den diversen Sommerfestivals gerecht zu werden. Edinburgh definiert sich zu einem Gutteil über dieses kulturelle Sommerspektakel, das die schottische Regierung über die Jahre immer mehr als Gelegenheit zur Demonstration der Weltoffenheit ihres Landes genutzt hat. Schottland ist ein Zentrum internationalen Kulturaustausches, lautet die Botschaft.

Die Scottish National Party (SNP) unter First Minister Nicola Sturgeon liegt nicht erst seit der Entscheidung Großbritanniens, aus der EU auszutreten, im Dauerclinch mit der Regierung in Westminster. Dass die Schotten nun gegen ihren Willen (sie entschieden sich überwiegend für einen Verbleib im europäischen Verbund) den Brexit mitmachen müssen, hat das Ringen um Sonderregelungen für Englands nördlichen Nachbarn aber noch einmal deutlich verschärft. Einer der zahlreichen Streitpunkte ist die Kulturförderung.

Museumsdirektoren warnen: Leihgaben von Kunstwerken könnten mit Zöllen belegt werden

Laut der außenpolitischen Sprecherin der SNP, Joan McAlpine, haben Kultureinrichtungen in Schottland in "ungeheurem Ausmaß" von der Mitgliedschaft in der EU profitiert. Tatsächlich muss man nicht lange nach Beispielen suchen. Der europäische Kulturförderfonds "Creative Europe" hat "YDance", eine Tanzinitiative für Kinder und Jugendliche, ebenso unterstützt wie den Shetland Amenity Trust, der 1,96 Millionen Euro für "Follow the Vikings" erhielt, ein vierjähriges Programm zur Erkundung und Feier des Wikingererbes der Shetland-Inseln. Die Erhaltung von Sir Walter Scotts Haus "Abbotsford" im südschottischen Melrose wurde maßgeblich mithilfe des "Europa Nostra"-Preises finanziert. In Schottland produzierte Filme wie Justin Kurzels "Macbeth" und Jon S. Bairds Irvine-Welsh-Verfilmung "Drecksau" konnten auf den europaweiten Vertrieb des Europa Cinema Network zurückgreifen.

Nun stehe die Beteiligung des Vereinigten Königreiches an den europäischen Förderprogrammen vor dem Aus, mahnt McAlpine; zugleich seien auch die grenzübergreifenden kulturellen Partnerschaften in Gefahr. Sorgen über mögliche Verschärfungen der Zollbestimmungen haben die Direktoren der schottischen Museen geäußert: Bisher sind innereuropäische Leihgaben für Ausstellungen von allen Zöllen befreit, das könnte sich nach dem Austritt der Briten aus der EU ändern. Was wohl in jedem Falle eintreten wird, ist ein vermehrter bürokratischer Aufwand bei der Ein- und Ausfuhr solcher Leihgaben.

"Wir sehen gerade in diesem Monat in Edinburgh, welch einen positiven Einfluss der kreative und kulturelle Bereich auf unser Land hat", so Joan McAlpine. "Es ist unerlässlich, dass die Tory-Regierung in London sich dazu verpflichtet, alle Subventionen nach dem Brexit aufrechtzuerhalten." Es wäre "einfach inakzeptabel", wenn Theresa May die finanzielle Unterstützung von Kunst und Kultur im Zuge der Ausstiegsverhandlungen aufgäbe.

Wenn die europäischen Fördertöpfe wegbrechen, wird Schottland diesen Verlust nicht aus eigener Kraft ausgleichen können - es spart selbst. Die Edinburgher Festivals mussten bereits 2015 Subventionseinbußen hinnehmen: Die Edinburgher Regierung strich Subventionen in Höhe von zehn Millionen Pfund aus dem Landesetat.