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Kulturpolitik:Athen klagt nicht

Griechenland verzichtet darauf, die Rückgabe der Parthenon-Skulpturen auf rechtlichem Weg durchzusetzen. Das erklärte Nikos Xydakis, stellvertretender griechischer Kulturminister in einem Interview.

Griechenland verzichtet darauf, die Rückgabe der Parthenon-Skulpturen auf rechtlichem Wege durchzusetzen. Das erklärte jetzt jedenfalls Nikos Xydakis, stellvertretender griechischer Kulturminister von der Syriza-Partei, in einem TV-Interview. Die berühmten, 2500 Jahre alten Meisterwerke aus Marmor, die einst den Tempel der Stadtgöttin auf der Akropolis in Athen schmückten, werden seit Anfang des 19. Jahrhunderts im Britischen Museum in London verwahrt. Aus Athen fortgeschafft hatte sie damals der siebte Earl of Elgin. Der britische Diplomat war sehr schlitzohrig vorgegangen, ja sogar "barbarisch", wie bereits einige seiner Zeitgenossen fanden - aber er hatte auch im Jahr 1811 eine eindeutige Genehmigung der Ausfuhr von den osmanischen Behörden bekommen, die damals noch in Athen herrschten, bevor es den griechischen Nationalstaat gab.

Die Chancen, eine Rückgabe der Kunstwerke an Griechenland durch eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof zu erzwingen, dürften deshalb ohnehin eher gering sein - dies räumt auch ein Gutachten ein, das in dieser Woche die Staranwältin Amal Clooney vorlegte. Diese setzt sich gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler George Clooney, für die Restitution der Antiken ein. Dafür stünde in Athen das im Jahr 2009 neu eröffnete Akropolis-Museum bereit, das die in Athen verbliebenen Skulpturen vom Parthenon zeigt; die fehlenden Stücke sind dort jeweils als Gipsabguss eingefügt. Der griechische Kulturminister sagt, man wolle nicht juristisch, sondern "diplomatisch und politisch" auf ihre Heimkehr nach Athen hinwirken. London beharrt indes weiter auf seinem Besitzanspruch; und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass der nächste Direktor des British Museum, der gerade gesucht wird, an diesem Standpunkt etwas ändern wird.

© SZ vom 16.05.2015 / Johan Schloemann
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