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Kritik:Anatomie des Bösen

Mephisto

Christina Matschoss spielt den eitlen und verführbaren Hendrik Höfgen als eine von drei Schauspielern.

(Foto: Ulli Scharrer)

Klaus Manns "Mephisto" im Teamtheater

"Alles an ihm ist falsch", erklärt Theaterdirektor Kroge. Mit weiß geschminktem Gesicht schwebt Hendrik Höfgen herein, ein eitler Geck, der seine Rivalin Dora Martin mit aasigem Lächeln umschwänzelt. Den Aufstieg eines Provinzschauspielers, der mit den Kommunisten fraternisiert, zum Darling der faschistischen Machthaber schildert Klaus Mann in seinem Roman "Mephisto". Die paradigmatische Geschichte eines Opportunisten, der Züge seines ehemaliger Schwagers Gustaf Gründgens trägt, notierte Klaus Mann in seinem Tagebuch, sei "ein kaltes und böses Buch".

Die atemberaubende Karriere des Wendehalses zeichnet Andreas Wiedermann nun mit der Gruppe Theater Impuls nach. Dafür hat er den Roman geschickt in eine Vielzahl von Szenen zerlegt, durch die ein Conférencier als Erzähler führt, der alternierend mit den Akteuren den Vorhang auf- und zuzieht. In kurzen Episoden entsteht das Porträt eines von Minderwertigkeitsgefühlen und Erfolgshunger getriebenen Mannes, der sich durch Heirat Zutritt zum Großbürgertum verschafft und als Protegé Görings einen "Pakt mit dem Teufel" schließt. Wie viele antifaschistische Künstler wollte Klaus Mann das NS-Regime als eine von einem Clown inszenierte groteske Farce entlarven, in der Hoffnung, dass es bald schon zusammenbrechen würde. Das jedoch erwies sich als Illusion.

Ganz im Sinne des Autors sind die Figuren im Teamtheater Typen und Karikaturen. Höfgens Mutter ist eine Rheinisch plappernde dumme Gans, seine Verehrerin Angelika ein bebrilltes Piepsmäuschen, "Der Dicke" Göring bellt als lebensgroße Puppe. Das fabelhafte Ensemble wechselt beständig die Rollen. Gleich in dreifacher Gestalt tritt Hendrik Höfgen (Urs Klebe, David Thun, Christina Matschoss) auf, die Intention dahinter wird nur leider nicht wirklich deutlich.

Um sein Gewissen zu betäuben, hilft er früheren Kollegen. Retten kann er sie nicht. In starken düsteren Szenenskizzen demonstriert die Aufführung die Brutalität des Regimes. Am Ende weist Hendrik Höfgen sich windend jede Schuld von sich. "Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler", beteuert er. So einen komplexen Stoff mit solch einer Fülle an Figuren überzeugend auf die Bühne zu bringen, ist eine große Leistung für ein kleines Theater.

© SZ vom 22.01.2020
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