Konzert Am Ende selbst der größte Depp

Christin Henkel erzählt in ihrem Buch "Juhu, berühmt!" selbstironisch von einer "mittelerfolgreichen" Musikerin. Ihr selbst geht es in der Branche ziemlich gut. Jetzt stellt sie ihr Album in der Milla vor

Von Jürgen Moises

Die einen wollen mit allen Mitteln komisch sein und ernten bestenfalls ein müdes Lächeln. Bei anderen kugelt sich das Publikum vor Lachen, und sie wissen eigentlich gar nicht, warum. Dass ihre Lieder wiederholt für Lachanfälle sorgen, das hat Christin Henkel angeblich erst auf der Bühne des Münchner Vereinsheims gemerkt. Dort war sie 2012, ermuntert von ihrer Mitfahr-Bekanntschaft Moses Wolff, bei den "Schwabinger Schaumschlägern" aufgetreten. Im Jahr darauf gewann die gebürtige Thüringerin zahlreiche Song Slams, tourte durch Deutschland und nahm ihr Debütalbum "KlaKaSon" auf. "KlaKaSon" steht für "Klavier-kabarettistisches Chanson", ein Genre, das die Pianistin, Sängerin und Komponistin auch heute noch betreibt.

An diesem Donnerstag ist Christin Henkel mit neuen Liedern von ihrem aktuell entstehenden zweiten Album in der Milla zu erleben. Unterstützt wird sie dabei von der Band ohne Haare. Dahinter verbirgt sich der Cellist Juri Kannheiser, den die Musikerin vor vier Jahren beim Filmmusik-Studium an der Münchner Musikhochschule kennengelernt hat. Kannheiser, der neben verschiedenen Klassik-Formationen auch beim Pop-Projekt MarieMarie mitwirkt, ist schon seit längerer Zeit ihr musikalischer Begleiter. "Unser neues Programm ist musikalisch komplett auf uns beide ausgelegt", sagt Henkel über ihre neuen Songs wie etwa "Erwachsen", der am vergangenen Freitag als Singleauskopplung und als Video herauskam.

Darin singt die 31-Jährige zu sanften Melodien vom Erwachsensein, zu dem das Tragen von Fahrradhelmen gehört und Abenteuer wie Dokus-Schauen im Fernsehen. Auch Surflehrer Klaus taucht darin auf, der in Henkels Œuvre fast schon so etwas wie einen Running Gag bildet. Über ihn hat Henkel nämlich schon ein Lied geschrieben, das heißt, über seinen Burn-out. Weil Klaus nach 15 Jahren Surflehrer-Tätigkeit das ständige "Welle runter, Welle rauf" nicht mehr ertragen kann. Eine Geschichte, die genauso wie die vom spießig klingenden Erwachsensein für Henkel eigentlich "sehr traurig ist". Die aber gleichzeitig eine Art "Depri-Humor" hat, wie es die Musikerin interpretiert, der viele Leute anspringt.

Derselbe Humor steckt auch in Henkels Buch "Juhu, berühmt! Ach nee, doch nich'. Unerhörte Abenteuer einer Musikerin", in dem sie vom Leben in der Musikbranche als mittelerfolgreiche Künstlerin erzählt. Das Buch ist am 10. Januar beim Knaur-Verlag erschienen und wurde von einer Redakteurin angeregt, die Christin Henkel im Radio gehört hatte. "Ich selbst hätte lieber gleich einen Roman geschrieben", meint die Musikerin dazu, die abgesehen von der Bühne und vom Radio auch schon in Fernsehsendungen wie "Nightwash", "Nuhr ab 18" oder "Pufpaffs Happy Hour" auftrat (am 6. Februar ist sie im WDR bei "Westart" zu Gast). Ein bisschen Fiktion hat sie dann doch in das Buch eingebracht und "die Sachen insoweit geändert, dass die Leute sich nicht eins zu eins erkennen".

Und das ist wahrscheinlich auch gut so. Denn die Personen, die in "Juhu, berühmt!" auftauchen, kommen nicht immer sehr gut weg. Dazu zählt etwa Ex-Freund Konrad, ein "arbeitsloser Elektromusiker feat. arbeitsloser Schauspieler", dessentwegen Henkel, oder nennen wir sie die Erzählerin, nach der Schule nach Berlin zieht. Konrad entpuppt sich bald als "internetsüchtiger Blender", während sich seine Freundin als Background-Sängerin in "unterirdischen Fernsehshows" verdingt. Dazu zählen auch die Leute mit "R'n'B/ Hip-Hop-Hintergrund" und ihrem "Halsketten-Gebamsel und Bling Bling", die sie beim Summer Camp an der Mannheimer Pop-Akademie trifft, oder die namhafte Plattenfirma, die ihr das Angebot macht, als Begleitsängerin von Peter Maffay im Gymnastikanzug im ZDF-Fernsehgarten rumzuhoppeln.

Das klingt teilweise dann doch etwas nach Musiker-Klischees, die, so Henkel, aber "wirklich stimmen". Bisher beschwert habe sich auf jeden Fall noch keiner. Auch die im Buch erwähnte Mutter nicht oder ihr Vater, der am Donnerstag übrigens als Gitarrist mit auftritt. Dass ihr bisher noch niemand böse ist, das mag auch daran liegen, dass sich Henkel bei ihrem bissigen Rundumschlag auch selbst aufs Korn nimmt. "In meinen Geschichten bin ich am Ende selbst der größte Depp", meint Henkel entsprechend selbstironisch. Was für ihr reales Leben nur bedingt gilt, denn im Moment ist sie als Musikerin und Komponistin doch eigentlich recht zufrieden. Sogar im Buch gibt es eine Art Happy End, bei dem, genau, auch Surflehrer Klaus mal wieder auftaucht.

Christin Henkel & die Band ohne Haare, Donnerstag., 26. Jan., 20.30 Uhr, Milla, Holzstr. 28