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Klassische Musik:Mahan Esfahani am Cembalo

Mahan Esfahani
(Foto: Petra Hajska)

Ein Abend im Prinzregententheater.

Er gehört neben Jean Rondeau und wenigen anderen zu den prominentesten Cembalisten der Gegenwart: Der gebürtige Teheraner Mahan Esfahani studierte in den USA Musikwissenschaft und Geschichte, bevor er sich der Praxis zuwandte. Im Münchner Prinzregententheater zeigte er nun mit Werken des 20. Jahrhunderts einen ganz anderen, unerwarteten Bereich der Cembalokunst. Rein spieltechnisch muss das kein Wagnis sein, aber mental verlangt die Musik György Ligetis doch eine andersgeartete ästhetische Disposition, andere Erfahrungsmechanismen.

Ligetis Stück "Continuum" beginnt mit einem Flimmern, einem Halbtongeschwirre innerhalb einer Terz, alles mal zerdehnt und wieder verdichtet - tatsächlich wie in einem Bienenschwarm. Und manchmal verirrt sich ein Terzwohlklang in die zarte Dissonanzenhölle. Nachdem die aber nur aus dem Cembaloklang hervorgeht, erlebt man allerlei Klangfarbenspiele statt penetranter Irritation. Es ist eine aparte Tastenminiatur, die Esfahani dem Konzert wie eine Initiale voranstellte. Ein wenig zeigten sich dabei bereits Stärken und Schwächen seines Spiels. In Frank Martins Cembalokonzert traten sie dann noch deutlicher zutage: Immer dann, wenn es virtuos werden soll, legt Esfahani auch an Kraft zu, strapaziert das zerbrechliche Instrument eher wie einen modernen Flügel. Dazu schleichen sich in schnellen Passagen Schlampereien ein, die möglicherweise auch mit diesem Anschlagsphänomen zu tun haben. Wo es aber gemäßigter zugeht, lyrischer, melodiebetonter, da entfaltet Esfahani großen Ton und tiefe Emotion. Frank Martins Cembalokonzert beginnt jedoch erst einmal mit einem bis zur Verzweiflung fleißigen Cembalospieler, der sich an unterschiedlichsten Läufen und Tonleitern abarbeitet, die alle nicht in das konventionelle Schema passen. Esfahani stellt dies perfekt vor, das Münchner Kammerorchester begleitet in üppiger klanglicher Besetzung, das Ganze steigert sich zu einer großartigen Orientierungslosigkeit. An jeder Ecke blitzt etwas Neues auf im Großstadtdschungel, jeder ist ganz auf sich geworfen und irrt ein bisschen planlos herum in dieser spannenden neuen Welt. Ein großartiger Beleg, dass das barocke Cembalo für die Moderne ein mehr als passendes Instrument ist.

© SZ vom 14.12.2019
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