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Klassikkolumne:Mit viel Verve

Der amerikanische Cellist Matt Haimovitz nimmt sich den koreanischen Komponisten Isang Yun vor, zur Feier von dessen 100. Geburtstag. Eine furiose Aufnahme mit energiegeladener Virtuosität. Und das Akkordeon ist besser als sein Ruf.

Von Harald Eggebrecht

"Isang Yuns Cellokonzert (von 1976) verdient es, neben Lutoslawskis und Dutilleuxs Cellokonzerten in das Pantheon der im späten 20. Jahrhundert stattgefundenen Innovationen dieses Genres aufgenommen zu werden." Das sagt der grandios originelle amerikanische Cellist Matt Haimovitz, der erst 2016 mit diesem Werk Yuns in Berührung kam. Ja, er hatte bis dahin sogar nichts über den koreanischen Komponisten gewusst, der zwischen 1967 und 1969 Folter und Repression durch das damalige südkoreanische Regime erlitten hatte. Yun (1917-1995), der selbst Violoncello gespielt hat, versteht die Solostimme daher autobiografisch, und so entsteht ein gewissermaßen erzählerisches Stück, in dem das Soloinstrument in schroffer Opposition zum Orchester steht. In zwei großen Solopassagen werden Zupftechniken angewendet, auch mit Plektron. Der Solist ist in höchstem Maße technisch wie emotional gefordert. Yun widmete das Konzert dem Pionier für neue Cellomusik, Siegfried Palm. Der Chef des Bruckner Orchesters Linz, Dennis Russell-Davies, hat zur Feier des 100. Geburtstags von Yun, Haimovitz dieses Stück zugetraut, und der verwirklicht die enormen Anforderungen furios in alle Richtungen. Mit energiegeladener Virtuosität und großer Ausdrucksleidendschaft versenkt sich Haimovitz in diesen "Dschungel" und findet einen gleichsam leuchtenden Pfad durch die vielfarbig schillernde und aufschreiende Partitur - eine imponierende und bewegende Meisterleistung, auch von Dirigent und Orchester. (Pentatone)

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