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In seinem Kriegsdrama "Ardennen 1944" führte Robert Aldrich vor, was er von Südstaaten-Patriarchen und Businessmen hielt. Nicht viel. Willis O`Brien ließ 1925 Dinos tanzen. Und Barbara Rütting, die vor wenigen Tagen gestorben ist, spielte die Geierwally.

Von Fritz Göttler

Leutnant Costa ist mitten im Krieg, mit seinen Leuten versucht er ein französisches Städtchen einzunehmen, in das sich die Deutschen verbarrikadiert haben, mit Panzern und SS. Ardennen 1944 heißt der Film von Robert Aldrich, im Original Attack. Den schlimmeren Gegner hat Costa aber hinter der Kampflinie, seinen Captain Cooney, der in der Taktik tödlich stümpert, zur Flasche greift und ein Feigling ist, Eddie Albert. Er will dem Vater daheim imponieren und lädt deshalb seinen Colonel, den Lee Marvin spielt, zu feudalen Pokerpartien mit Kentucky Bourbon ein. Den Costa spielt der rebellische Jack Palance. Mit ihm hätte Fassbinder gern gedreht, bei Godard war er in Le Mepris der Hollywoodproduzent, der Fritz Lang das Leben schwer macht. Die Leute der Nouvelle Vague verehrten Aldrich, weil er in Hollywood für die Unabhängigkeit des Filmemachens kämpfte. In Godards erstem Film Außer Atem geht Belmondo auf der Straße an einem Plakat zu Ten Seconds to Hell vorbei, und die Parole auf dem Plakat passt zu Godards Film: Lebe gefährlich bis zum Ende. Aldrich verachtet den Süden, sein ungesundes Patriarchat, das damals mit seinen durchgeknallten Söhnen in den Stücken am Broadway herumspukte - der Film basiert auf dem Stück Fragile Fox von Norman Brooks. Wenn ich mein Geschäft daheim so führen würde wie die hier die Armee, nörgelt Captain Cooney, wäre ich in einem Monat bankrott. Man sollte mal einen Businessman ranlassen ... (Was dabei rauskommt, sieht man in Amerika gerade in der Politik, ganz ganz oben.) Cooney ist in der Jugend vom Vater schikaniert worden, so kauert er sich nun auf der Pritsche zusammen wie ein kleines Kind. (Explosive Media)

Ein Psychopath der Wissenschaften, eher sympathisch, ist der Professor Challenger, eine Figur von Arthur Conan Doyle. Er will beweisen, dass das Getier der Urzeit bis ins 20. Jahrhundert überlebte, im Amazonasurwald. Eine Expedition führt uns in diese Lost World, ein Paradies mit Pterodaktylus und Allosaurus. Belebt wurde es 1925 vom Trickkünstler Willis O'Brien und seiner Stopmotion-Technik, der später für King Kong tätig war. Ein Saurier, nach London verschleppt, zerdeppert die Tower Bridge. Challenger hat, auch das kennt man nun aus der US-Politik, cholerischen Hass auf die Presse, einen Reporter verjagt er persönlich. (Studio Hamburg)

Ein Jahr zuvor entstanden, das Wachsfigurenkabinett, ein Klassiker der dämonischen Leinwand von Paul Leni. Ein junger Dichter soll für drei Wachsfiguren eine Geschichte schreiben, Harun al Raschid, Iwan der Schreckliche, Jack der Aufschlitzer: Emil Jannings, Conrad Veidt, Werner Krauss. Der Stummfilm ist heute keine lost world mehr, Lenis Werk lief restauriert auf der letzten Berlinale. Siegfried Kracauer sah es als Highlight der deutschen Tyrannenfilme. Deren Popanze sind geboren aus dem Geist des Jahrmarkts, besonders Iwan, der sich gern zum Folterspaß in seinen Keller verzieht, am Ende schmiegt er sich an sein liebstes Spielzeug, das Stundenglas, das die verbleibenden Sekunden zählt. Väterchen reden seine Gehilfen ihn an. (absolut Medien)

Die falschen Väter der Kirche, in Gelobt sei Gott/Grace à Dieu, von François Ozon. Ein Missbrauchsfall aus Lyon, um den Geistlichen Père Preynat. Weil sein Kardinal Jahre lang nichts in der Sache macht, tun seine Opfer von damals sich zusammen, mit Webseite und TV. Ein Triumph der Solidarität, in dem alle ein bisschen von dem Pfadfindergeist wiederfinden, den ihnen der Père, als er sie zu sich in die Dunkelkammer oder ins Zelt holte, ausgetrieben hat. (Pandora)

Das Kind gehört dem Vater, erklärt der Höchstbauer seiner Tochter Wally, so gut wie ein Kalb oder ein Ross. Aber Wally will den Mann nicht heiraten, den der Vater ihr bestimmt, geht lieber ins Gebirge, in Schnee und Eis: Die Geierwally, von Franz Cap. Die Rebellin ist in der Nachkriegsversion Barbara Rütting, die vor wenigen Tagen gestorben ist. Die Liebe kann nur dann absolut sein, wenn sie jederzeit in tödlichen Hass umschlagen könnte. (Filmjuwelen)

Kampf um die Steppe, Kampf um die Freiheit, Taras Bulba, ein Superspektakel von J. Lee Thompson, nach Nikolai Gogol. Taras Bulba ist der Führer der Kosaken, er kämpft mal an der Seite der Polen, mal gegen sie. Sein Sohn studiert in Krakau und verliebt sich in eine Prinzessin, Christine Kaufmann. Yul Brynner und Tony Curtis sind Vater und Sohn, ihr Konflikt eskaliert. Ich habe dir das Leben geschenkt, droht der Patriarch Taras Bulba, ich werde es dir wieder nehmen. Taras Bulba, das bin ich, sagte Robert Aldrich, der den Stoff lange Zeit verfilmen wollte - bis seine Produktionsfirma in Schwierigkeiten geriet. (Koch Media)

© SZ vom 06.04.2020

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