Kinowirtschaft Die Iden des März

2018 ist bislang ein ziemlich schlechtes Jahr für Hollywood. Und es sähe noch viel schlechter aus, wenn nicht "Black Panther" laufen und laufen und laufen würde. Jetzt liegen alle Hoffnungen auf dem neuen Spielberg.

Von Susan Vahabzadeh

Wenn Hollywood Rekorde vermeldet, sollte man immer noch mal nachrechnen oder nachschauen, ob es so stimmt, wie es einem erzählt wird. "Black Panther"- Rekorde gibt es beispielsweise jede Menge - der Film nähert sich jetzt schon, nur wenige Wochen nach dem Start, der Top Ten der erfolgreichsten Filme aller Zeiten! Naja: Nur, wenn man nicht auf der inflationsbereinigten Liste nachsieht, auf der unter den ersten zehn überhaupt nichts aus diesem Jahrhundert vorkommt. Über keinen Film "wurde je mehr getwittert als über ,Black Panther"? In den etwas über zehn Jahren, die Twitter überhaupt existiert. Erfolgreich ist "Black Panther" jedenfalls, mehr als 1,2 Milliarden Dollar hat der Film inzwischen weltweit eingespielt. Beunruhigend ist aber, wie wichtig dieser einzelne Film gerade ist. In den USA macht nämlich dieses eine Werk knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes aus.

Das amerikanische Kino stand wahrlich schon mal besser da, nicht nur in den USA selbst, die globale Dominanz schwächelt auch ganz erheblich im ersten Quartal 2018: Nur zwei der fünf weltweit erfolgreichsten Filme sind aus den USA, "Black Panther" auf Platz eins und "Fifty Shades Freed" auf Platz vier - der asiatische Markt, von dem Hollywood sich in den letzten Jahren abhängig gemacht hat, versorgt sich nämlich mittlerweile selbst. Die Iden des März, sozusagen: Der ganze Monat war amerikanischen Branchenblättern zufolge eine ziemliche Katastrophe fürs amerikanische Kino - ein Einbruch von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, und das auch nur, weil "Black Panther" läuft und läuft und läuft.

"Black Panther" ist ein großer Erfolg - in den USA verantwortlich für fast ein Viertel des Umsatzes

Einer der alten Regie-Helden soll nun dafür sorgen, dass es doch noch ein passables Frühjahr wird: Stevens Spielbergs Science Fiction "Ready Player One", der bei uns erst nächste Woche startet, kommt in den USA schon zu Ostern in die Kinos. Die Erwartungen sind ziemlich hoch, es wird der größte Start des Jahres in den USA. Spielbergs letzte Filme, "Die Verlegerin" oder "Bridge of Spies", waren keine Special-Effects-Filme und schon deswegen keine ganz großen Kassenschlager. Aber "Ready Player One" ist eine andere Sorte Film, ein Spektakel, angesiedelt im Jahr 2045 - eine Dystopie, in der sich das Leben für die Menschen nur noch lohnt, wenn sie sich in ein Spiel, eine virtuelle Realität flüchten. Für einen Erfolg von "Ready Player One" sprechen ein Mangel an Konkurrenz am Osterwochenende, wenn der Film in den USA startet - und dass er voller popkultureller Referenzen ist, von Stanleys Kubricks "The Shining" über "Der Gigant aus dem All" bis hin zu "King Kong" - andererseits war die Reaktion auf den ersten Trailer im vergangenen Jahr nicht gerade überwältigend.

Analysen und Vergleichszahlen der Erfolge der letzten zwei Jahre belegen übrigens, dass ein ganz erheblicher Sprung nach vorn gemacht wurde, was die Verteilung der Hauptrollen in den erfolgreichsten Filmen angeht, elf der ersten zwölf Wochenenden wurden an den amerikanischen Kinokassen von Filmen mit schwarzen oder weiblichen Hauptdarstellern dominiert. Das ändert aber nichts daran, dass die Ergebnisse kaum die Produktionskosten decken, allein diesen Monat haben drei Riesenproduktionen ihr Soll nicht erfüllt. "Das Zeiträtsel", "Tomb Raider" und "Pacific Rim Uprising" krebsen alle bei Einspielergebnissen von weniger als 100 Millionen Dollar herum. Das ist viel Geld. Aber oftmals weniger, als ein Hollywood-Film so kostet.