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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Milla Meets Moses" ist ein anarchisches Statement im sonderbaren Kranke-Teenager-Genre. Mit "Peninsula" und "Zombi Child" kommen zwei sehr verschiedene, aber gleichermaßen sehenswerte Zombie-Filme ins Kino.

Von den SZ-Kritikern

1 / 8

Eine Frau mit berauschenden Talenten

Kinostart - 'Eine Frau mit berauschenden Talenten'

Quelle: dpa

Wenn jemand sich nach einer französischen Version von "Breaking Bad" gesehnt hat - hier ist sie. Isabelle Huppert spielt mit hintergründiger Lakonie eine Übersetzerin aus dem Arabischen. Sie arbeitet für die Polizei, wechselt aber, erst aus Mitgefühl, dann aus Lust am Profit, die Seiten und verkauft selbst die Drogen, die sie eigentlich aufspüren helfen soll. Weil das hier nicht Amerika, sondern Frankreich ist, kommt dieser kluge, unterhaltsame Film von Jean-Paul Salomé nie ins Moralisieren, vielmehr schwingt eine angenehm rebellische Verachtung für alle Regeln mit: In einer ungerechten Welt nützen sie immer nur den Falschen.

Kathleen Hildebrand

2 / 8

Milla Meets Moses

Kinostart - 'Milla Meets Moses'

Quelle: dpa

Unheilbar kranke Teenager haben sich eine Nische im Coming-of-Age-Film eingerichtet, die nur so vor schwülstigen Klischees strotzt. Bevor es zu spät ist, wollen sie den Rausch des Lebens in sich aufsaugen: Drogen, Sex, Gefahr. Zum Glück umschifft die australische Filmemacherin Shannon Murphy in ihrem bemerkenswerten Debüt jeglichen Kitsch. Die krebskranke Milla, ihr Junkie-Schwarm Moses und ihre von Schmerz und Antidepressiva betäubte Mutter taumeln jenseits der Gefühlsduselei zwischen Verletzlichkeit, Selbstbeherrschung und zwischenmenschlichen Verlegenheiten. Und machen diesen Film zu einem anarchischen Statement in einem sonderbaren Genre.

Sofia Glasl

3 / 8

Es ist zu deinem Besten

Kinostart - 'Es ist zu deinem Besten'

Quelle: dpa

Ein Kapitalist, ein Kasper und ein Choleriker wollen ihre Töchter vor einer Ehe mit dem falschen Mann bewahren - wobei falsch im Auge des Betrachters liegt, die Damen sind jedenfalls verliebt. Also intervenieren die Väter heimlich, von der Diffamierung bis zur Entführung ist ihnen alles recht. Dabei verirrt sich Marc Rothemund leider in die Fünfzigerjahre, egal ob beim Elternbild, bei den Männerrollen, oder, am schlimmsten, beim Humor.

Doris Kuhn

4 / 8

Im Stillen Laut

Doku DDR Im Stillen Laut

Quelle: Therese Koppe/Salzgeber

Manchmal ist das irgendwie lachhaft, heute, wenn man die alten Stasi-Akten liest. Die Spießigkeit ihrer Vorstellungen, die Hartnäckigkeit, mit der sie diesen Vorstellungen die Wirklichkeit der DDR anpassen wollten. Ein Künstlerhof auf dem Lande, das kann nur jede Menge Nackerter bedeuten, also schreibt man die in die Akte. Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch schütteln den Kopf, als sie sehr viel später diese Akte durchblättern, Nackte hatte es nicht gegeben auf ihrem Hof im Oderbruch. Therese Koppe filmt sie in ihrem Alltag heute, zu dem auch das Erinnern gehört: Auch in der DDR war das Frausein, künstlerisch zumal, ein Handicap. Erika Stürmer-Alex trägt ihre großen Leinwände - abstrakt, also verdächtig - durch das Zimmer wie Möbelstücke. Wieso, fragen die Frauen, ist der Blick auf die DDR so grau bestäubt ...

Fritz Göttler

5 / 8

Peninsula

Peninsula Film

Quelle: Splendid

Die visuell aufregendsten Zombiefilme kommen aktuell von Yeon Sang-ho aus Südkorea. Der Mann hat als Animationsfilmer begonnen, sein post-apokalyptisches Seoul sieht hier aus wie gemalt, beschienen von einem hellen, fahlen Mond. Die Zombie-Apokalypse beschäftigt ihn schon länger, zunächst im Zeichentrick in "Seoul Station", dann in "Train To Busan" (2016), wo die Seuche ausbrach und die Flucht im Zug nicht mehr recht gelang. "Peninsula" zeigt den Ausbruch noch einmal und springt dann vier Jahre weiter. Jetzt regieren Zombiehorden das ganze Land, die südkoreanische Halbinsel wurde aufgegeben. Als letzte Menschen haben sich dort ein paar verrückt gewordene Soldaten verschanzt, dazu eine Mutter mit zwei kampferprobten Töchtern plus Opa. Ein Söldnertrupp aber willigt ein, zurückzugehen und einen Lastwagen voll Bargeld aus der Todeszone zu holen. Dumme Idee natürlich - aber atmosphärisch sehr packend erzählt.

Tobias Kniebe

6 / 8

Unser Boden, unser Erbe

Unser Boden, unser Erbe

Quelle: WFilm

Der Boden ist das letzte Paradies auf Erden. Nicht nur der Starköchin Sarah Wiener, die für die Grünen im Europaparlament sitzt, bereitet der Rückgang der Bodenfruchtbarkeit Sorgen. Laut den Vereinten Nationen bleiben uns noch 60 Erntejahre, in denen die Erträge für die Versorgung der Bevölkerung ausreichen. Marc Uhlig deckt in seinem Plädoyer für eine zukunftsfähige, nachhaltige Landwirtschaft beunruhigende Fakten auf, die zum Umdenken bewegen sollten. Nur die unausgewogene Verteilung der Redebeiträge in der filmisch recht konventionellen Doku verwundert etwas.

Anna Steinbauer

7 / 8

Vergiftete Wahrheit

Kinostart - 'Vergiftete Wahrheit'

Quelle: dpa

Ein US-Konzern vergiftet das Grundwasser und vertuscht alles, die Menschen werden krank und bekommen juristische Hilfe. Das kennt man aus "Erin Brockovich" mit Julia Roberts, das ist aber auch schon wieder zwanzig Jahre her. Da sich Geschichte aber bekanntlich wiederholt, erzählt Todd Haynes in seinem neuen Film eine ähnliche Story, für die es ebenfalls ein reales Vorbild gibt. "The Lawyer Who Became DuPont's Worst Nightmare" hieß der Artikel des Journalisten Nathaniel Rich, der vor vier Jahren im Magazin der New York Times erschien. Und ein Albtraum ist auch diese Geschichte, allerdings nicht nur für DuPont. Mark Ruffalo spielt den Unternehmensanwalt Robert Bilott, der jahrzehntelang gegen den Chemie-Multi kämpft. Anfangs geht es nur um ein paar verendete Kühe in einem Kaff in West Virginia, am Ende um die Gesundheit der Weltbevölkerung: Der gesundheitsschädliche Stoff Perfluoroctansäure (PFOA) ist mittlerweile in 99 Prozent aller Menschen nachweisbar, DuPont verwendet ihn bei der Herstellung von Teflon. Was wie ein klassischer, anfangs etwas behäbiger Gerichtsthriller beginnt, verdichtet sich zu einem Drama, das sprachlos macht, über einen globalen Umweltskandal.

Josef Grübl

8 / 8

Zombi Child

Zombi Child Bertrand Bonello Film Kino

Quelle: Grandfilm

Auf Haiti wird 1962 ein Mann von einem Voodoo-Priester in einen Zombie verwandelt, im Frankreich der Gegenwart besucht seine Enkelin (Wislanda Louimat) ein elitäres Mädcheninternat in Frankreich. Neugierig und sensibel taucht Bertrand Bonello in die Realität des Voodoo-Kults ein und macht aus Geschichte eine körperliche Erfahrung, die auch die weißen Internatsschülerinnen nicht unverschont lassen wird.

Philipp Stadelmaier

© SZ/khil
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