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Kino:Der Club der bewegten Bilder

Ein Freigeist lehrt die Kunst des eigenständigen Denkens: Robin Williams in "Der Club der toten Dichter".

(Foto: Disney)

Die Reihe Kino-Treff-Rio bietet Filme und Gespräche - heuer über Helden

Von Josef Grübl

Die Heldenrollen spielte er am liebsten im Kino, abseits der Kameras verlief Robin Williams' Leben leider nicht ganz so heroisch. Der Schauspieler war lange Zeit kokain- und alkoholabhängig, er litt an Stimmungsschwankungen und Depressionen, vor zwei Jahren setzte er seinem Leben selbst ein Ende. Im Rio-Filmpalast ist er an diesem Mittwochabend um 18 Uhr noch einmal zu sehen, im oscarprämierten Kinohit "Der Club der toten Dichter" aus dem Jahr 1989. Williams spielt darin den Englischlehrer John Keating, er ist ein Freigeist in einer von Konventionen und Vorschriften diktierten Zeit, gleichzeitig ermutigt er seine Schüler zu eigenständigem Denken. Damit passt er natürlich zur Reihe Kino-Treff-Rio, die diesen Herbst und Winter "Helden" präsentiert.

Dem Kino mangelt es zwar nun wahrlich nicht an Heldenfiguren, die Ansprüche der Organisatoren sind aber etwas höher: Es gehe um "moralische Leitfiguren", versprechen sie in der Programmankündigung, um kreative Querköpfe ("Das Konzert", 26. Oktober), kluge Querulanten ("Im Labyrinth des Schweigens", 23. November) und Helden des Alltags ("Ein Sommer in New York", 18. Januar 2017). Eine schöne Zusammenstellung, auch wenn man sich vielleicht auch eine Heldin gewünscht hätte, geeignete Filme gibt es ja zuhauf. Michael Grill von der Theatergemeinde München betreut die traditionsreiche Film- und Gesprächsrunde, die im vergangenen Jahr ihren 25. Geburtstag feierte. "Es ist eine der letzten moderierten Filmreihen der Stadt", sagt er, man habe ein treues und fachkundiges Publikum.

An den Diskussionsrunden, die in der aktuellen Saison von so verschiedenen Referenten wie dem Drehbuchautor Markus Hille oder der Orchesterdirektorin Annette Zühlke geleitet werden, müsse man sich nicht beteiligen, "wir sind ja kein Filmseminar". Trotzdem kommt es oft zu recht lebhaften Filmgesprächen, manchmal besteht auch weniger Diskussionsbedarf, dann lösen sich die Runden früher auf. Trotzdem macht sich Grill Sorgen um die Zukunft der Reihe, der Publikumszuspruch sei in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen.

An manchen Abenden kämen weniger als 50 Zuschauer, das sei einfach zu wenig, sagt er. Fragt man nach den Gründen, überlegt Michael Grill einen Moment lang. Dann sagt er: "Mir kommt es so vor, dass es mit dem zunehmenden Tempo des Filmbetriebs einfach weniger Gesprächsbedarf gibt." Die Ex-und-hopp-Mentalität unserer Zeit geht eben auch am Kino nicht spurlos vorbei. Es ist also wieder höchste Zeit für Helden, auf der Leinwand und davor.

Kino-Treff-Rio, Rio-Filmpalast München, Rosenheimer Straße 46, 48 69 79

© SZ vom 21.09.2016
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