Kabarett Ehrlich lügen

Meisterhafter Jongleur mit Worten: der Kabarettist Timo Wopp.

(Foto: Timo Wopp)

Timo Wopp mit seinem Programm "Auf der Suche nach dem verlorenen Witz" im Lustspielhaus

Von Oliver Hochkeppel

Konsenskabarett wolle er diesmal machen, eröffnet Timo Wopp den Besuchern des Lustspielhauses gleich zu Beginn seines Auftritts. Politisch korrekte Comedy, ohne Witze auf Kosten von Randgruppen. "Ohne Meinung und Haltung", nach dem Motto: "Rassismus oder Integration - es muss doch Platz für beides sein." Was sich natürlich schnell als neuer Trick des "agent provocateur" des deutschen Kabaretts erweist.

Der 42-jährige Oldenburger, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, hat schon in seinen ersten beiden Programmen sein Spielchen mit dem uneigentlichen Sprechen getrieben. Hat den neoliberalen Unsympathen gespielt, den alerten Businessman, der sich in seinen eigenen Widersprüchen verheddert und so die Systemfehler unserer Gesellschaft geradezu verkörpert. Was auch deshalb so überzeugend wirkte, weil Wopp als studierter BWLer, Diplom-Kaufmann und "keynote-speaker" weiß, wovon er redet. Viel von dieser auch über das neudeutsche Business-Sprech kommenden Figur findet sich auch im neuen Programm "Auf der Suche nach dem verlorenen Witz". Etwa wenn er über die Nachfolge des "Arschgeweihs" räsoniert, also den nächsten erst als "cool", später als "asi" angesehenen Trend, und dabei auf "das dritte Kind" kommt.

Oder in einer der schönsten Passagen, wo es ums "ehrlich lügen" geht, also etwa dieses klar als nein durchschaubare zustimmende "mmhhmm", das sich als Running Gag durchs gesamte Programm zog. Schon bei vielen Comedy-Themen, von der Leitfigur des Jung-Biobauern über eindeutige Zweideutigkeiten bis zu Promi-Bashing (Till Schweiger und Jan Ulrich), wird es unterschwellig politisch und eben nicht erst dann, wenn Timo Wopp Horst Seehofers krude Äußerungen abarbeitet ("die Mutter aller Probleme ist nicht die Flüchtlingskrise, sondern die Mutter Seehofers"). Geschwindigkeit ist dabei eine seiner stärksten Waffen. Wopp jongliert so schnell mit Worten, wie er das als gelernter Jongleur auch mit Keulen oder Bällen kann. Diese Jonglagen sind natürlich nach wie vor die spektakulärsten Nummern, doch Wopp ist klug genug, sie sehr sparsam und immer verbal zu unterfüttern, um sie so in sein Wortprogramm einzubinden. Eine runde Sache, bei der einiges hängen bleibt.