Jazz Unter Idealisten

Hier kommt der Jazz zurück zur Kammermusik - oder umgekehrt: Das Modern String Quartet ehrt Hans Ruland.

(Foto: Modern String Quartet)

Das Modern String Quartet, David Gazarov, Bernd Lhotzky und Louis Mazetier ehren mit einem Gedenkkonzert die Arbeit des Jazz-Impressarios Hans Ruland

Von Oliver Hochkeppel

Wie sehr ein kaum subventioniertes Nischenkultursegment wie der Jazz von einzelnen Machern und "Selbstausbeutern" abhängt, zeigt das Beispiel Hans Ruland. Gut 15 Jahre lang, von den frühen Achtzigerjahren bis 1997 war er der hiesige "Mr. Jazz" schlechthin, sein krankheitsbedingter Rückzug und früher Tod vor genau zehn Jahren riss eine bis heute nicht geschlossene Lücke. Daran erinnert nun ein Gedenkkonzert in der Allerheiligen-Hofkirche.

Der 1948 in München geborene Hans Ruland war Idealist und Pragmatiker zugleich. Als gelernter Diplom-Kaufmann wusste er um die Probleme, die auf einen Geschäftsmann im "Jazzmarkt" zukommen. Trotzdem hat er lukrativere Wege links liegen gelassen und sich mit aller Kraft für seine Leidenschaft eingesetzt, den Jazz. Das begann in den frühen Achtzigerjahren, als Ruland die von Sepp Dachsel gegründete kleine Jazzzeitung als Herausgeber und Chefredakteur übernahm und aus ihr die damals regional wie wohl auch national wichtigste Fachzeitschrift machte. Für sein Ziel, dem Jazz ein Publikum zu verschaffen, war das nur ein erster Schritt: Aus Unzufriedenheit mit den öffentlich-rechtlichen Sendern gründete er, erst in Hamburg, dann in München die "Jazzwelle Plus", das ersten deutsche Jazzradio, ein - unerreichter und untergegangener - Meilenstein in der Geschichte regionaler Privatsender. Dazu kamen das Plattenlabel "Swingtime Records", die Tätigkeit als Veranstalter und das "Jazzbüro", das über Jahre hinweg zur unverzichtbaren Münchner Anlaufstelle für alles und jeden in Sachen Jazz wurde.

Der Dienst am Jazz bedeutete für Ruland indes auch Raubbau an der Gesundheit. Von 1997 an musste er sich wegen einer chronischen schweren Erkrankung Zug um Zug zurückziehen, nur noch Moderationen im BR übernahm er bis zum Schluss. Die Jazzzeitung wurde vom Regensburger Con Brio Verlag übernommen und blieb erhalten, wenn auch seit kurzem nur noch online. Die "Jazzwelle" dagegen, die nachweislich Unzählige zum Jazz und eine ganze Jazzjournalisten-Generation hervorbrachte, war ein unersetzlicher Verlust, was wie immer erst erkannt wurde, als es zu spät war: Die legendären Abschiedskonzerte in der Philharmonie wurden überrannt.

An den Pianomanen mit Duke Ellington als Hausgott erinnern nun die Early-Jazz-Pianisten Bernd Lhotzky - einer der großen Favoriten des Harlem-Stride-Fans Ruland, der ihm viel zu verdanken hat - und Louis Mazetier aus Paris; dazu der virtuose Klassik-und-Jazz-Vermähler David Gazarow; außerdem das Modern String Quartet, das sich auf seine eigene Weise Duke Ellingtons annehmen wird.

Gedenkkonzert für Hans Ruland mit dem Modern String Quartet, David Gazarov, Bernd Lhotzky und Louis Mazetier, Donnerstag, 17. März, 20 Uhr, Allerheiligen-Hofkirche, Briennerstraße  1