Jazz Eine kleine Sensation

Zwang das Publikum mit ihrem eindringlichen Spiel zum gespannten Zuhören: Johanna Summer.

(Foto: Ralf Dombrowski)

Johana Summer gewinnt Jungen Münchner Jazzpreis

Von Ralf Dombrowski

An manchen Stellen ist die Stadt München nicht auf der Höhe der Zeit. So lässt sie sich bis heute die Möglichkeit aus der Hand nehmen, mit einem einschlägigen Festival oder einem gut dotierten und kuratierten Jazzpreis über die Grenzen der Metropole hinaus Zeichen zu setzen. Beides wird in die Hände von privaten Initiativen übergeben, wie die Reihe des BMW Welt Jazz Awards im Winter oder das Jazzfest der Jazzmusiker Initiative München beispielsweise, das an diesem Wochenende in der Black Box des Gasteigs über die Bühne ging. Oder wie den vom Verein Mucjazz ausgerichteten Jungen Münchner Jazzpreis. Zwar gibt es inzwischen Kooperationen, etwa mit der Versicherungskammer Kulturstiftung und der Oberbürgermeister Dieter Reiter hat außerdem die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen. Ausrichtung, Organisation und Dotierung bleibt jedoch einzelnen Enthusiasten überlassen, die diese Leerstelle des einheimischen Kulturlebens auf eigene Verantwortung füllen.

Am Freitag jedenfalls wurde der Junge Münchner Jazzpreis zum sechsten Mal vergeben und die Kurzkonzerte der drei Finalisten zeigten, auf welch hohem Niveau der Profi-Nachwuchs der deutschen Szene agiert. Insgesamt vierzig Bewerbungen waren von der Jury im Vorfeld gesichtet worden, auf den dritten Platz schaffte es schließlich das Kölner Quartett Der Weise Panda um die Sängerin Maika Küster, das sich mit einem Programm zwischen Soundpoesie und dezent psychedelischem Energy Flow präsentierte. Die Hamburger Konkurrenz um den Gitarristen David Grabowski und dessen Quartett konterte mit gut gelauntem Fusion Jazz, der sich traute, auch rockmusikalische und funky groovende Elemente wieder aus dem Stillager der Jazzgeschichte zu holen. Grabowski selbst erwies sich außerdem als pointierter und so soundbewusst agierender Instrumentalist, dass ihm der Solistenpreis des Abends übergeben wurde. Das Rennen machte aber die Pianistin Johanna Summer.

Ursprünglich aus Plauen, nach klassischen Anfängen dann in Dresden im Jazzfach unterrichtet, hat die 23-Jährige die verblüffende Gabe, bekannte Melodien des Repertoires so überzeugend zu ihren eigenen zu machen, dass daraus Musik auf einem individuellen Niveau gestalterischer Eindringlichkeit entsteht. Vieles kommt zusammen, eine profund musikantische Grundlage als Ausgangspunkt der im weitesten Sinne medleyhaften Improvisationen, außerdem das Talent, präzise die Stimmungen, Wirkungen einschätzen und einsetzen zu können, die die verschiedenen Ausdruckselemente des Pianistischen bieten. Auf diese Weise schaffte sie es pianistisch brillant, in zwei Etappen Spannung über lange Distanzen zu entwickeln und das aufgeregte Wettbewerbspublikum fokussiert zuhören zu lassen. Eine kleine Sensation, eine großartige Siegerin.