Schriftsteller J. D. Vance:Cheerleader für Jobs, Familie und Patriotismus

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Schriftsteller J. D. Vance auf einer Tech-Konferenz im Jahr 2018.

(Foto: STEVE JENNINGS/Getty Images via AFP)

Der Tech-Investor und Trump-Unterstützer Peter Thiel steckt zehn Millionen Dollar in eine mögliche Senatskandidatur von J. D. Vance. Sein Konservatismus könnte die Zukunft der Republikaner prägen.

Von Felix Stephan

Im Jahr 2016 hat der amerikanische Risikoinvestor J. D. Vance ein Memoir über seine Jugend geschrieben, das aus dem Stand zum Weltbestseller wurde. In "Hillbilly Elegy" erzählte er von den weißen Industriearbeitern, deren Situation sich seit etwa zwei Jahrzehnten kontinuierlich verschlechterte. Die Globalisierung führte dazu, dass ihre Arbeitsplätze abwanderten, die Opioid-Krise trieb etliche in die Heroinsucht, Hoffnungslosigkeit prägte den Alltag.

Ähnlich wie Didier Eribon ein paar Jahre zuvor schrieb Vance aus der Perspektive eines Autors, der inmitten dieses Elends aufgewachsen war, sich aber herausgearbeitet hatte und jetzt der Elite von einer marginalisierten Welt berichtete, die im Begriff war, sich gegen sie zu wenden. Die weißen Arbeiter waren traditionell im demokratischen Lager zu Hause, weil sie sich dort vertreten fühlten, erklärte Vance 2016. Weil die linksliberale Elite ihre Verachtung für die weißen Arbeiter, die zu viel Fleisch essen und Pick-up-Truck fahren, aber bald nicht einmal mehr anstandshalber verhehlte, ging ihnen die politische Heimat verloren.

Ein Populist wie Donald Trump musste sie dann nur noch vom Straßenrand einsammeln, indem er vorgab, auch selbst jene Elite zu verabscheuen, von der sie sich im Stich gelassen fühlten. Das Buch wurde in liberalen Medien damals ausführlich besprochen und J. D. Vance, selbst Mitglied der Republikanischen Partei, schien eine neue Stimme zu sein, die Analyse und Pragmatik wieder zu konservativen Stilmitteln würde machen können.

Vances Konservatismus ist die Familie wichtiger als Steuersenkungen für die Reichen

Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit nun, da bekannt wurde, dass der bekannte Tech-Investor und Trump-Unterstützer Peter Thiel zehn Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hat, um eine mögliche Senatskandidatur des Schriftstellers in Ohio zu unterstützen. Aber was die Liaison zwischen Thiel und Vance für die unmittelbare Zukunft des amerikanischen Konservatismus bedeutet, darüber herrscht Uneinigkeit.

Die Washington Post jubilierte und lobte einen Vortrag mit dem Titel "Getting Beyond Libertarianism", den Vance kürzlich auf einer Konferenz der Republikaner gehalten hat, als eine "meisterhafte Kritik der ökonomischen und moralischen Schulden, in die ein ungezügelter Marktkapitalismus führt". Vance vertrete einen klassischen Konservatismus, der Jobs, Familie und Patriotismus höher schätze als Steuersenkungen für die Reichsten.

Das moderat republikanische Magazin The Bulwark, das sich als Forum für die innerparteiliche Trump-Opposition versteht, befürchtet hingegen das Schlimmste: Vance habe sich zuletzt von einem Trump-Gegner zu einem seiner größten Cheerleader entwickelt und auf seinem Twitter-Account zumindest andeutungsweise Verschwörungsmythen der QAnon-Sekte legitimiert. In einer Republikanischen Partei, in der sich laut einer Erhebung der New York Times zuletzt 35 Prozent als Trump-Gegner, die restlichen 65 Prozent aber immer noch als Trump-Anhänger verstanden, richten sich die Blicke jetzt auf den erst 36-jährigen Vance, dessen Memoiren aus den unterschiedlichsten Lagern beklatscht worden waren.

Sein Bewusstsein für die Lage der Arbeiter, sein Klassenverständnis und seine Kritik am Marktliberalismus könnten ihn anschlussfähig machen für Bernie-Sanders-Wähler, die sich bei den Demokraten gegen das Wall-Street-freundliche Clinton-Biden-Lager nicht durchsetzen konnten. In diesem Szenario wären die Republikaner zumindest sozialpolitisch dabei, die Demokraten links zu überholen. Die jetzt bekannt gewordene Verbindung mit Peter Thiel weist hingegen in eine andere Richtung.

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