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Im Kino: Der Auftragslover:Don Juan ist tot

Seine Zielobjekte sind unglückliche Frauen - doch die zugeknöpfte Juliette leistet unerwartet Widerstand: Vanessa Paradis und Romain Duris in Frankreichs Überraschungshit "Der Auftragslover".

"So lebendig habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt." Das ist der Schlüsselsatz des professionellen Verführungskünstlers Alex (Romain Duris). Mit ihm gelingt ihm meist die finale Eroberung der Frauenherzen. Er präsentiert ihn auch diesmal mit leuchtenden Augen, die sich sogleich mit Krokodilstränen füllen werden. Aber die zugeknöpfte Juliette (Vanessa Paradis) leistet unerwartet Widerstand. Ihr Gesicht bleibt eine Maske: bleicher Teint, knallrote Lippen, Augen verborgen hinter der Sonnenbrille. Da muss Alex seine Routine lassen und improvisieren. In solchen Improvisations-Momenten gewinnt das Verführungsspektakel fröhlichsten Irrwitz.

Film: Der Auftragslover

Auch wenn Alex hingebungsvoll vorspielt, ihre Vorlieben (George Michael, "Dirty Dancing", Roquefort-Käse zum Frühstück) zu teilen: bei Juliette funktionieren seine Tricks nicht wie gewünscht. Vanessa Paradis und Romain Duris in "Der Auftragslover".

(Foto: dapd)

Der hinreißende Charme, mit dem Romain Duris die Figur des Verführers Alex erfüllt, hält alles in dieser furiosen Nummern-Revue aus Flunkerei, Parodie und Slapstick-Klamauk zusammen und auf Niveau. Ein Charme, der die Balance von Lässigkeit und Fiebrigkeit raffiniert austariert. Ein Verführer, der sich nie triumphalistisch aufspielt. Sein schräges Lächeln behält immer ein Moment von Hilflosigkeit. Träumer-Tölpel-Charme. Damit gewinnt Romain Duris unsere Komplizenschaft und seine Alex-Figur die Herzen der Frauen.

"Der Auftragslover", Pascal Chaumeils erster Kinofilm, in Frankreich ein Überraschungshit, zeigt einen Verführer der besonderen Art. Er stürzt Frauen nicht donjuanesk ins Unglück, sondern rettet sie. Der Verführer als Frauen-Emanzipator. Seine Zielobjekte sind Frauen, die in unglücklichen Beziehungen dahinvegetieren und einfach nicht merken, dass der Mann an ihrer Seite ein Langweiler, Tyrann, Egomane oder ähnliches ist. Beauftragt von besorgten Verwandten oder Freunden dieser Frauen, öffnet Alex ihnen die Augen für ihre missliche Lage. Sein Trick: Er lässt von seinen beiden Mitarbeitern - seine Schwester und deren Ehemann (Julie Ferrier und François Damiens) als wunderbare Sidekicks - Vorlieben und Obsessionen der avisierten Frauen ausspionieren. So kann er sich als Seelenverwandter andienen und sich in die turbulentesten Rollenspiele stürzen.

Bei Juliette aber funktioniert das nicht so wie geplant. Auch wenn ihr Alex hingebungsvoll vorspielt, ihre Vorlieben (George Michael, "Dirty Dancing", Roquefort-Käse zum Frühstück) zu teilen. Sie bleibt dabei, einen reichen Engländer heiraten zu wollen. Das Screwball-Pingpong, das sich zwischen Alex und Juliette nun entfalten könnte, deutet Pascal Chaumeil nur fragmentarisch an. Hier zeigt sich der einzige Schwachpunkt der Komödie: Dass Vanessa Paradis vergleichsweise blass bleibt und das amouröse Alex-Juliette-Duett nicht recht in die Gänge kommt. Egal: Die Verführungstory ist für Pascal Chaumeil sowieso nur Vorwand für ein wildes Karussell parodistischer Nummern, die sich im Luxusambiente von Monte-Carlo bei den Genres der romantischen Komödie und des Agenten-Thrillers bedienen.

In einem Film, bei dem die Story derart vorhersehbar ist - Juliette ist die Frau, an die Alex sein Herz verlieren wird - kommt es allein auf das Wie an, und da legt Romain Duris tolle Nummern hin: Wenn er den Schwanentanz aus "Dirty Dancing" eifrig einstudiert, wenn er einen George-Michael-Song inbrünstig exekutiert, oder wenn er sich als Actionheld in eine Verfolgungsjagd stürzt. Sein Darsteller-Bekenntnis: "So lebendig habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt!"

L'ARNACOEUR, Frankreich/Monaco 2010. Regie: Pascal Chaumeil. Buch: Laurent Zeitoun, Jeremy Doner, Yohan Gromb. Kamera: Thierry Arbogast. Musik: Klaus Badelt. Mit: Romain Duris, Vanessa Paradis, Julie Ferrier, François Damiens, Helena Noguerra, Andrew Lincoln, Jacques Frantz. Universum, 105 Minuten.

© SZ vom 10.01.2011

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