Humboldt-Forum Andreas, Franco, Eosander

Der Wettbewerb zur Kunst am Bau im Berliner Humboldt-Forum ist entschieden. Für das untere Foyer hat vor dem Witz das Pathos den Zuschlag bekommen. Und im oberen Foyer kommt Stefan Sous zum Zug. Sein Entwurf ist ein Ornament aus 66 Uhren.

Von Peter Richter

Zwei Wettbewerbe zur Kunst am Bau im neuen Berliner Stadtschloss, dem zukünftigen Humboldt Forum, sind entschieden worden. Das hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wissen lassen. Das ist einerseits etwas überraschend, weil man annehmen sollte, dass eigentlich die barocken Steinfassaden nach Andreas Schlüter die Kunst am Bau von Franco Stella sind und ansonsten hier das drängendere Problem die Frage ist, welche Kunst im Bau eines Tages mal gezeigt werden könnte. Andererseits ist es dann aber auch wieder wie gewohnt, da bei solchen Wettbewerben oft entweder sehr pathetische oder betont heitere Vorschläge eingereicht werden.

Für das untere Foyer, eine karge, quadratische Halle, hat hier nun vor dem Witz (Martin Bruno Schmid wollte 64 massivgoldene Dübel in die Wände bohren; das gab einen 1. Preis) das Pathos den Zuschlag bekommen: Ebenfalls einen 1. Preis und zugleich eine Realisierungsempfehlung bekam die Idee von Christiane Dellbrügge und Ralf de Moll, in einem Schriftband rings um die Wand über der Kopfhöhe die Vornamen aller am Berliner Schloss je beteiligten Architekten aufzulisten. Das darf nun 150 000 Euro kosten. Der Ringelreihen von Andreas, Eosander, Franco und den anderen in dem kahlen Raum lässt im Entwurf noch eher an einen Stuhlkreis der Anonymen Alkoholiker denken. Aber die Jury lobte das "Enthierarchisierende" des Vorschlags und glaubt, dass er gut zum Razionalismo Franco Stellas passen könnte.

Das ist eine Architektursprache, die durch den Beiklang von Rationalem und Rationellem immer den Nimbus des Selbsterklärenden und Naheliegenden hat, aber in Wahrheit eine hochartifizielle ästhetische Haltung von extremer Rigidität darstellt. Im oberen Foyer hat in Stefan Sous nun ein Künstler gewonnen, der Erfahrung mit der sogenannten Bespielung derart monotoner Fassadenraster hat: Vor dem Neubau des BND in Berlin, wo Millionen gleichförmige Fensterschlitze stumm und anklagend mahnen, als wären es die Kreuze von Verdun, hatte er vor fünf Jahren eine große Stahlskulptur gesetzt, die einen gewaltigen Steinfindling vorstellte. Für seine Vorhalle im Humboldt Forum entwarf er nun ein Ornament aus 66 Uhren, die auf die Weltreisen des Alexander von Humboldt und auf die Ungleichzeitigkeit der Zeit anspielen, bevor die Uhren einst synchronisiert wurden. Dafür stehen nun 40 000 Euro zur Verfügung. Keine Idee und keinen Wettbewerb gibt es bisher leider zur Beschönigung von Stellas superrazionalistischer Ostfassade.