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Hollywood:Regisseurinnen haben es weiterhin schwer

"Wonder Woman" (2017) gehört zu den wenigen Blockbustern, die von einer Frau, Patty Jenkins, inszeniert wurden.

(Foto: AP/Warner)

Eine Diversitätsstudie analysiert die amerikanische Filmindustrie, in der Frauen immer noch um Einfluss kämpfen.

Stacy L. Smith, Professorin an der Annenberg School for Communication and Journalism der University of Southern California, erforscht seit mehr als 15 Jahren die Rollenverteilungen in Hollywood. Die echten Rollen, die man auf den Leinwänden sieht, genauso wie die Verteilung der Jobs hinter der Kamera. Es muss manchmal ein ziemlich frustrierender Job sein, den sie da macht. Denn die meisten ihrer Studien, oft in Zusammenarbeit mit dem Geena Davis Institute oder dem Sundance Institute erstellt, kamen immer wieder zu demselben Ergebnis: Es passiert nicht viel in Hollywood, zumindest nicht, was die Darstellung von Frauen oder Minderheiten in Filmen angeht, und schon gar nicht, was die begehrten Regiejobs betrifft. So gesehen war die Präsentation der neuen Studie der Annenberg-Inclusion-Initiative für sie sicher eine Abwechslung: Smith konnte tatsächlich einen signifikanten Anstieg weiblicher Hauptfiguren im amerikanischen Kino verkünden.

Für die Studie wurden 53 178 Charaktere in 1200 der einträglichsten Filme aus den Jahren 2007 bis 2018 untersucht. Im vergangenen Jahr, 2018, gab es in 39 der hundert Filme, die in die Studie eingegangen sind, eine weibliche Hauptfigur - im ersten Jahr, das die Studie untersucht hat, 2007, waren es nur zwanzig. Und in immerhin 27 der profitabelsten hundert Filme von 2018 (als auch "Black Panther" ein Riesenerfolg war), hatte auch mindestens eine der Hauptfiguren eine andere Hautfarbe als immer bloß weiß. Genau darum geht es einer Forscherin wie Smith ja: Zu belegen, wie öffentliche Debatte und Diversität hinter der Kamera dazu führen, dass das Kino die Unterschiede in der Gesellschaft besser repräsentiert. Die Studie verzeichnet einen starken Anstieg von schwarzen Filmfiguren - aber auch von schwarzen Regisseuren.

Hinter der Kamera hat sich wenig getan, 657 Regisseure stehen 47 Frauen gegenüber

Wenn Frauen Filme inszenieren, steigt auch der Anteil der weiblichen Figuren im Film um 15 Prozent, schlüsselt die Studie auf. Das ist keine neue Erkenntnis. Wenn dann aber alle Filme, die von Männern und von Frauen, ausgewertet werden, verändert das in der Summe nicht viel. Es gibt inzwischen mehr große Rollen für Frauen, aber nicht mehr Rollen. Weiterhin sind weniger als ein Drittel der Charaktere in den untersuchten Filmen weiblich, was nicht wirklich der Geschlechterverteilung in der realen Welt entspricht.

Und diese Leinwand-Frauen tragen, nebenbei bemerkt, auch nicht mehr Kleider als in früheren Filmen. Weibliche Figuren sind immer noch wesentlich häufiger nackt und wesentlich häufiger sexualisiert als männliche Charaktere. Vielleicht wäre das anders, würden hinter der Kamera mehr Frauen agieren. Was das angeht, sind Smiths Zahlen wahrlich ernüchternd: Es wurde im vergangenen Jahr nicht häufiger einer Frau die Regie eines Films anvertraut als zwölf Jahre zuvor, der Anteil stagniert hartnäckig bei etwas über vier Prozent. In absoluten Zahlen: Bei den 1200 Filmen in der Studie führten insgesamt 47 Frauen und 657 Männer Regie (teilweise natürlich mehrfach über die Jahre). Bei der Filmmusik ist das Ergebnis noch drastischer - insgesamt waren in den zwölf Jahren 1308 Komponisten am Werk und 19 Komponistinnen. Die Entwicklungen haben also nur vor der Kamera stattgefunden, dahinter ist der Anteil von Frauen seit Jahrzehnten nicht gestiegen. Es hat sich da etwas getan, wo man es gleich bemerkt - da, wo es nicht so schnell auffällt, bleibt alles beim Alten.

Fast könnte man meinen, der Filmbranche ginge es weniger um echte Veränderung als um das Wahren der liberalen Fassade. Wären Frauen als Filmemacher nämlich wirklich gleichberechtigt in Hollywood - dann würde die Macht neu verteilt.