Hochzeit bei "The Big Bang Theory" Immer dieses Glockengebimmel

Sollten Sie die erste Folge der neunten Staffel von The Big Bang Theory noch nicht kennen, ist dieser Text mit Vorsicht zu genießen: Er enthält Hinweise auf deren Inhalt. Außerdem sind Informationen über weitere Serien enthalten.

Von Anja Perkuhn

Rosa Kleid, dezenter Schleier, dunkelgrauer Anzug und ein nervöser Blick - hurra, endlich Hochzeit bei Leonard und Penny in der Nerdserie The Big Bang Theory. Die erste Folge der neunten BBT-Staffel ist nun in den USA gesendet worden und Penny-Schauspielerin Kaley Cuoco-Sweeting postete schon vorher ein Bild des Serienpaares vor dem Altar. Ihr Kommentar darunter: "Ich habe seit der Pilotfolge auf diesen Moment gewartet! Neun Jahre in der Mache!"

Es werden Menschen vor Rührung und Freude geweint haben bei dieser Szene, es werden wohl auch Menschen bei der deutschen Ausstrahlung der Folge weinen, denn da ist sie endlich, die große Katharsis: Der weltfremde Leonard und die Superblondine Penny sind verheiratet. Endlich, Glockengebimmel!

Aber wieso eigentlich? Verdient der Zuschauer nicht mehr als die Hochzeit von zwei Hauptcharakteren als höchstes Ziel einer Serie? Schließlich hat The Big Bang Theory sich selbst nie als die Abbildung einer Mal-Sonnenschein-mal-Regen-Beziehung inszeniert, sondern als Geschichte überbegabter Außenseiter einer Gesellschaft.

Auch die gleichgeschlechtlichen Partner wollen: heiraten

Die meisten Sitcoms der vergangenen 20 Jahre, selbst wenn sie gut angelegt waren, haben sich an der Struktur entlanggehangelt: Die Hochzeit, die Vereinigung, das muss das Ende sein.

How I Met Your Mother tanzte neun Staffeln lang um die Suche nach der zukünftigen Frau des furchtbar spießigen Ted herum - um Mrs Mosby am Ende zu killen, weil sich die ewig lockende Robin als Partnerin serienstrukturell über die Zeit irgendwie mehr angeboten hatte. Auch Friends führte nach zehn Jahren - in denen die drei Frauen schonmal gemeinsam im Hochzeitskleid auf dem Sofa vor sich hin frusteten - ebenfalls alle Fäden zusammen: Phoebe und Mike durften im Schnee heiraten, Monica und Chandler hatten bereits ihre Hochzeit, aber nun auch zwei Kinder im Arm, und endlichendlich bekamen Ross und Rachel (die Las-Vegas-Hochzeit im Suff gab es schon) es auf die Reihe, sich zu einer Kleinfamilie zusammenzuraufen.

Bei Friends liefen nach zehn Jahren am Ende alle Fäden zusammen - auch wenn es zwischendurch manchmal nicht so wirkte.

(Foto: NBC)

Die große Hochzeits-Inszenierung in Sitcoms, überhaupt der Trubel darum, wer wem wo und wie den Antrag macht, wo gefeiert wird, wer die Zeremonie vollzieht - das ist ein wichtiger Teil der Serienkultur, zumal der US-amerikanischen, weil es ein wichtiger Teil der Kultur ist. Männlein und Weiblein als einzig mögliche Partnerschaft, das hat sich glücklicherweise schon aufgeweicht.

Am Ende gab es aber fast immer die Hochzeit - der letzte Mosaikstein zum großen Ganzen, das sich alle wünschen. Bei Cameron und Mitchell in Modern Family dreht sich eine komplette Episode erst einmal um die Frage, wer das spektakulär-kitschige Moment des Antrags für sich beanspruchen darf. Obendrauf kommt die bombastische Hochzeits-Doppelfolge. Jede einzelne nicht konservativ-konforme Hochzeit, die in der Popkultur dargestellt wird, ist ein Meilenstein für die Community. Und wenn wie bei Cam und Mitch ein Großflächenbrand den Kitsch bricht - umso besser.

Aber ob nun gleich- oder ungleichgeschlechtlich, es gilt: Nebenfiguren heiraten im Handlungsstrom. Lily und Marshall in How I Met Your Mother, Turk und Carla in Scrubs, oder, weiter zurück: Onkel Jesse und Becky in Full House.

Liz Lemon durfte immerhin im Leia-Kleid heiraten

Bei Hauptfiguren ist es schwierig - und wirft im Fall des Falles auch mal ganze Strukturen um. Die taffe wenn auch leicht bekloppte Show-Chefin Liz Lemon aus 30 Rock beispielsweise durfte ihre Erfüllung nicht in ihrer Karriere finden - sie musste heiraten. Im weißen Prinzessin-Leia-Kostüm, aber: heiraten. Sie schlug sich danach erst durchs Leben als Stay-at-home-Mom, später als Produzentin-die-ihre-Kinder-dabeihat von einer mittelguten Serie.

Die taffe Liz Lemon aus 30 Rock wurde Stay-at-home-Mom, später Produzentin-die-ihre-Kinder-dabeihat von einer mittelguten Serie.

(Foto: NBC Studios)

Serien über Ehen, die gibt es. Doch die meisten Serienmacher schrecken davor zurück, zwei Hauptcharaktere während der Serienlaufzeit zu verheiraten. Der Lebensweg kann doch nur zum Klimax Ringetausch führen. Was danach kommt ... puh. Schwer vor- und darzustellen.

Glücklicherweise hat Big Bang Theory einen Schritt in eine angenehme Richtung gemacht in einer Welt, in der immer weniger Menschen das Heiraten als unausweichlich betrachten: Die neue Staffel beginnt ja erst, die Hochzeit ist also ein Anfang. Wenn auch einer, auf den alle - oder zumindest Kaley Cuoco-Sweeting - jahrelang gewartet haben. Es gibt auch bereits Spekulationen daüber, dass sich die beiden bald schon wieder trennen. Man wünscht es ihnen nicht. Aber es wäre eine Möglichkeit - und zwar eine gar nicht so lebensferne.