Günther Kaufmann ist tot:Der Abspann kommt zu früh

Wie ein irrsinnig spannender Film, der zu früh endet: So erscheint das Leben des Schauspielers Günther Kaufmann, der am Freitag überraschend gestorben ist. Seine Biografie ist Erfolgsgeschichte, Liebesdrama und Krimi in einem. Rückblick auf ein bewegtes Leben.

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Schauspieler Günther Kaufmann ist tot

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Wie ein irrsinnig spannender Film, der zu früh endet: So erscheint das Leben des Schauspielers Günther Kaufmann, der am Freitag überraschend gestorben ist. Seine Biografie ist Erfolgsgeschichte, Liebesdrama und Krimi in einem. Rückblick auf ein bewegtes Leben.

Die zweite Garnitur Gottes, so sollte die Verfilmung seines Lebens heißen. Sein Sohn Dave (links im Bild) sollte die Hauptrolle übernehmen. Der Schauspieler hat nicht nur eine erfolgreiche Karriere vorzuweisen; fernab der Kamera lebte Kaufmann den Stoff, den es sonst auf den großen Leinwänden zu sehen gibt.

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Er kämpfte um seine krebskranke Frau, verbrachte drei Jahre unschuldig im Gefängnis. "Es gibt eine erste Garnitur Gottes", sagte Kaufmann einmal, "das sind Menschen, mit denen Gott es besonders gut gemeint hat. Ich halte mich für die zweite Garnitur."

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Gott also soll es nicht gut mit ihm gemeint haben, das drückt dieser Satz aus. Doch vielleicht sind es die Menschen jener "zweiten Garnitur Gottes", über die später besonders viel erzählt wird, die nicht in Vergessenheit geraten. Der in München geborene Schauspieler war ein Kind der Nachkriegszeit, seine Mutter eine Deutsche, sein Vater ein US-amerikanischer Besatzungsoldat. In seiner Biografie Der weiße Neger vom Hasenbergl, die im Jahr 2004 erschien, verarbeitet Kaufmann vor allem die Jahre in Haft.

Prozess gegen Schauspieler Guenther Kaufmann wird neu aufgerollt

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Der reale Krimi beginnt mit der Liebe: Um seine an Krebs erkrankte Frau Alexandra zu schützen, lässt sich Kaufmann wegen Mordes verurteilen. Seine Frau hatte drei Männer angestiftet, ihren Steuerberater Helmut Hagen zu ersticken, nachdem sie diesen um etwa 850.000 Mark betrogen hatte. "Alexandra hätte nicht eine Stunde Vernehmung überstanden", begründete Kaufmann sein Handeln später, "ich wollte ihr das ersparen, weil sie todkrank war."

SZ-Nr.267; LOK;

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Doch auch als Alexandra sechs Wochen vor Prozessbeginn stirbt, bleibt er bei seinem falschen Geständnis: "Ich habe keine Chance gesehen, meine Unschuld zu beweisen." Kaufmann wird zu 15 Jahren Haft verurteilt, drei davon sitzt er ab - bis überraschend die wahren Täter gefasst werden. Im Wiederaufnahmeverfahren im Januar des Jahres 2005 wird Kaufmann vom Landgericht Augsburg freigesprochen.

Schauspieler Guenther Kaufmann steht erneut vor Gericht

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Dennoch muss der Schauspieler noch einmal vor das Gericht: Im Jahr 2006 wird er wegen besonders schwerer Freiheitsberaubung durch falsche Verdächtigung zu 22 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Amtsgericht München spricht den zu dem Zeitpunkt 58-Jährigen schuldig, weil er bei seinem falschen Mordgeständnis zwei Unschuldige als angebliche Komplizen angegeben hatte.

Rainer Werner Fassbinder wäre 65 geworden

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Doch bevor sein turbulente Privatleben für Schlagzeilen sorgte, arbeitete Kaufmann erfolgreich als Schauspieler. Sein Entdecker: Rainer Werner Fassbinder, hier bei den Dreharbeiten zu seinem Film Lola, in dem auch Kaufmann eine Rolle übernahm. Der Regisseur und Filmproduzent verhalf dem Halbamerikaner zu seiner Schauspielkarriere und verschaffte ihm im Jahr 1970 seine erste Rolle in der Fernsehproduktion Götter der Pest. Kaufmann spielte in mehr als einem Dutzend von Fassbinders Filmen mit und wurde in den Achtzigern und Neunzigern auch als Krimi-Darsteller in den ZDF-Serien Derrick und Der Alte bekannt.

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Auf einem Requisiten-Altar des Bremer Theaters probt der Schauspieler in der Friedenskirche für seinen ersten Auftritt nach der Haftentlassung: Die zehn Gebote heißt das Stück, das 2003 uraufgeführt wird. Düster wirkt die Szene, für die Kaufmann mit batteriebetriebenen Babypuppen überhäuft wird.

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Zuletzt zeigte er sich der Welt von einer lauten, fröhlichen Seite. In Erinnerung bleiben seine dröhnende Stimme; seine ungenierten Auftritte im RTL-Dschungelcamp; seine Jubelrufe, als Sohn Dave seinen Auftritt bei der Castingshow Das Supertalent meisterte.

Schauspieler Guenther Kaufmann an Herzinfarkt gestorben

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Es ist noch gar nicht lange her, da spielte Kaufmann den "schrecklichen Sven" im Kinderfilm Wickie auf großer Fahrt, der im September 2011 Premiere feierte.

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Zuletzt stand Kaufmann für eine Nebenrolle in der Verfilmung der Kultserie Türkisch für Anfänger vor der Kamera. Noch im März dieses Jahres posierte er bei der Premiere des Films auf dem roten Teppich und ging seiner Dschungelcamp-Bekanntschaft Micaela Schäfer an die - kaum vorhandene - Wäsche. Gutgelaunt, ja lebensfroh wirkte der 64-Jährige.

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Umso überraschender kommt nun sein Herzinfarkt, den Kaufmann am Donnerstag auf offener Straße im Stadtteil Grunewald in Berlin erlitt, wo er zuletzt lebte. Zwei Ärzte versuchten stundenlang, den Schauspieler zu retten - vergeblich.

Zurück bleibt der Eindruck eines Menschen, der leidenschaftlich lebte und liebte, obwohl er nur zur "zweiten Garnitur" gehören glaubte. Zurück bleibt auch ein Leben, das erzählt werden will. Denn wäre es ein Film, würde man, wenn die Lichter im Saal angehen und die ersten nach ihren Jacken greifen, einfach noch sitzen bleiben - solange, bis der gesamte Abspann abgelaufen ist. In der Hoffnung, es kommt noch mehr.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/soli/holz
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