Graphic Novel Du knallige Welt, pass auf

Der Zeichner Lars Fiske zeigt das Leben von George Grosz im Stil von George Grosz und die Dada-Bewegung als Gegengift in Zeiten des aufkommenden Faschismus.

Von Alex Rühle

Eine mimetische Biografie, das Leben von George Grosz, gezeichnet im Stil von George Grosz. Der Norweger Lars Fiske, der schon die Lebensgeschichten von Olaf Gulbransson und Kurt Schwitters, zwei Zeitgenossen (und im Falle von Schwitters so was wie der heitere Seelenbruder) von Grosz, gezeichnet hat, unterwirft sich dabei auch noch großer formaler Strenge: Das Buch ist strukturiert wie ein Stummfilm, 14 kurze Texttafeln als Kapitelrhythmisierungen, weißer Text auf schwarzem Grund, jeweils mit einem Zitat von Grosz ("Ach, knallige Welt, du seliges Abnormitätenkabinett ..."), ansonsten Bilder ohne Worte. Na, sagen wir ohne Sprechblasen, Fiske schmuggelt über Buchtitel oder Gerichtsakten schon ab und an konkreten Kontext ein. Im Grunde aber wird das Leben des Berliner Dadaisten und ätzenden Kommentators der Weimarer Zeit nur über Federzeichnungen erzählt: die traumatische Weltkriegserfahrung, der Hass auf den Nationalismus, auf das Verhockte und Gemeine, das an den Biertischen den Faschismus ausbrütete. Die Dada-Bewegung als Gegengift, die Prozesse, die ihm sein Werk einbrachte, die Flucht nach Amerika. Fiske zeigt, wie Grosz den Kubismus und Fauvismus mit seiner Wut tränkte und die Feder wie ein Messer benutzte (Avant-Verlag, 80 S., 25 Euro). Das Zitat mit der knalligen Welt, das das Buch einleitet, geht übrigens so weiter: "... du Lunapark, pass auf! Hier kommt Grosz, der traurigste Mensch in Europa". Wenige Wochen nach seiner Rückkehr aus dem Exil, am 6. Juli 1959, stürzte Grosz besoffen die Treppe runter und starb im Alter von 66 Jahren.