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Nachruf:Humorist der Verschleißgesellschaft

Der Künstler Gerd Schmidt Vanhove ist gestorben.

Von Till Briegleb

Als die kleine Souterrain-Wohnung im Kulturzentrum Kornbrennerei in Hannover 2017 geräumt werden sollte, glich das einem Sesam-öffne-dich-Erlebnis. 20 Jahre hatte der vergessene Künstler Gerd Schmidt Vanhove hier zwischen überquellenden Regalen voller Weggeworfenem ein Universum des dystopischen Humors geschaffen. Skulpturen, Schaukästen, kinetische Objekte, Gemälde, Mappen voller Collagen und Zeichnungen hatte er in seiner Kunst-Klausnerei produziert. Manisch und introvertiert arbeitete er an einem Gegenbild zur Wegwerfgesellschaft, schuf mit Bunsenbrenner, Leim und Farbe Objekte aus Dingen, die er auf der Straße, beim Trödel und im Müll fand. Diese stilistisch extrem vielfältigen und liebevoll inszenierten Szenen, bevölkert von bizarren Figuren, landeten nur durch Zufall nicht selbst auf dem Müll. Dank der Sammlerin Marie-Luise Becker fand sich ein kleiner Teil des Riesenschatzes 2018 in einer Retrospektive des Sprengel Museums, die diesen Kurt Schwitters der Verschleißgesellschaft neu bekannt machte. Da war Schmidt Vanhove bereits krank und im Rollstuhl. Nun ist er drei Tage vor seinem 70. Geburtstag in einem Pflegeheim in Hannover gestorben.

© SZ/jhl
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Gerd Schmidt Vanhove
Adam & Eve, 2014
Elektrik/Akustik
40 cm x 25 cm x 50 cm
Foto: Stefan Neuenhausen, Hannover
Privatbesitz, © Gerd Schmidt Vanhove, 2018

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