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Frankfurter Buchmesse 2011:Von Insel zu Insel

Der richtige Besuch zur richtigen Zeit: Die durchgängig belebte Leseinsel des gastgebenden Inselstaates Island hat die diesjährige Buchmesse in Frankfurt bereichert. Das macht Mut für das nächste Jahr - Gastinsel 2012 ist Neuseeland.

Lothar Müller

Offenkundig war die Buchmesse 2011 reif für die Insel. Während in manchem Vorjahr die Besucher in eher gedämpfter Atmosphäre und einzeln durch die Ausstellungspavillons der Schwerpunktländer flanierten, hat in diesem Jahr die durchgängig belebte Leseinsel der Isländer zum Erfolg ihres Auftritts erheblich beigetragen. Einen bequemen Salon hatten sie gebaut, in dem man sich niederlassen konnte, und auf den hohen Videowänden, die ihn unterteilten, lasen leibhaftige Isländer in leibhaftigen Büchern.

Buchmesse Frankfurt - Feature

In Zeiten des Übergangs: Besucher der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt am Main, die am Sonntag zu Ende ging, auf ihrem Weg von Halle zu Halle. 

(Foto: dpa)

Es scheinen überhaupt die Isländer das rechte Gastvolk zur rechten Zeit gewesen zu sein. Sie haben jüngst eine Finanzkrise ausgestanden, eine große mittelalterliche Literaturtradition hinter sich und brachten nach Frankfurt eine äußerst lebendige Gegenwartsliteratur mit, von der Halldór Gudmundsson, der Koordinator des Auftritts, bei seiner abschließenden Pressekonferenz sagte, sie habe durch diese Messe den Durchbruch auf dem internationalen Markt geschafft.

Es scheint, als habe sich wieder einmal, wie schon für viele osteuropäische Autoren nach 1989, der Satz bestätigt, dass der deutsche Buchmarkt als Türöffner in die Welt fungiert.

Island war aber wohl der einzige große Star dieser Messe. Obwohl der Peruaner Mario Vargas Llosa, der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2010, ebenso angereist war wie der Italiener Umberto Eco mit seinem gerade erschienen historischen Roman "Der Friedhof in Prag" - einen individuellen Autor, der alle anderen überstrahlt hätte, gab es nicht.

Das hat wohl damit zu tun, dass Prominenz etwas eigentümlich Paradoxes ist. Sie hat etwas Erhebendes, wenn man allein auftritt, und sie hat etwas Nivellierendes, wenn die Prominenten so geballt auftreten wie in Frankfurt, als eine Art allgegenwärtige Kaste, die sich die Klinke in die Hand gibt. Der Tag geht, Charlotte Roche kommt, der nächste Tag kommt, und Dieter Thomas Heck geht ins Einzelne seiner Biographie.

Undurchsichtiges Zwitterwesen

Als eher seltsamer Prominenter und undurchsichtiges Zwitterwesen präsentierte sich das E-Book. Allgegenwärtig in den Diskussionen über die digitale Zukunft, das Urheberrecht und die elektronische Piraterie, als reale Erscheinung eher abwartend am Rande stehend. Aber im Buchhandel rumort das E-Book schon heftig: Der Chef der Buchhandelskette Thalia prognostizierte, bis 2017 würden 30 bis 40 Prozent der Umsätze aus dem stationären Handel verschwinden.

7384 Aussteller aus 106 Ländern waren bei dieser Buchmesse dabei. 283.000 Besucher wurden gezählt, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Der internationale Rechtehandel lief besonders in den Bereichen Bildung, Kinderbücher und Wissenschaft sehr gut. Im nächsten Jahr kommt die nächste Insel: Gastland 2012 ist Neuseeland.

© SZ vom 17.10.2011/pak

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