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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Landrauschen" wäre gern hip und trotzdem nicht abgehoben. Und in "Hotel Transsilvanien 3" sind Vampirjäger nicht mehr das, was sie mal waren.

Doris Kuhn

1 / 9

303

Kinostart - '303'

Quelle: dpa

Ein Liebesfilm! Und ganz unironisch! Mehr als zwei Stunden nimmt sich Hans Weingartner Zeit für das Sich-Verlieben von Jule und Jan (wunderbar: Mala Emde und Anton Spieker). Die beiden fahren in einem alten Wohnmobil - Campen gilt gerade ja wieder als cool bei den Jungen - von Berlin nach Portugal: Jan will auf dem Weg seinen Vater treffen, Jule ihrem Freund von ihrer Schwangerschaft erzählen. Während dieser Europa-Reise reden Jule und Jan über fast alles: Kapitalismus, Evolution, Altruismus, Egoismus, Liebe, Sex, Ehe.... Und es sind nie Worthülsen, die sie austauschen, immer reden sie auch von sich. Schön!

Martina Knoben

2 / 9

B12

Gestorben wird im nächsten Leben

Quelle: dpa

"Was ich alles mitmachen muss." Lenz mag nicht mehr. Lenz ist fast 90, von allem und jedem genervt, er "möchte nur noch sterben". Dabei gibt es an seiner Raststätte direkt neben der B12 so viel zu erleben: Wasserschäden, Tuning-Treffen, Vertreter für eine Bibel-App, alte Ehepaare, die einander totschweigen. Christian Lerch, der Drehbücher für die Heimatfilme von Markus H. Rosenmüller geschrieben hat, wittert in seinem Dokumentarfilm Rasthofromantik und hat den Leuten, wie man sagt, aufs Maul geschaut. Da wird gegrantelt, "amore gemacht" und die Handwerker bauen die Fenster verkehrt herum ein. Macht nichts, macht man halt Feierabend. Wenn die Kamera überfahrene Tiere festhält oder minutenlang Lenz dabei filmt, wie er versucht, sich im Auto anzuschnallen, nimmt der Film surreale Züge an. Eine apokalyptische Melancholie hängt über dem Rastplatz, das Versprechen vom prallen Leben und dass alles auch anders sein könnte. Aber dann ist da doch nur die Raststätte und das Rauschen der Bundesstraße.

Nicolas Freund

3 / 9

Hotel Transsilvanien 3

Kinostart - 'Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub'

Quelle: dpa

Graf Dracula muss einfach mal raus. Genndy Tartakovsky lässt Teil drei der Animationsreihe um Hotelier Drak aus Transsilvanien deshalb auf einer Kreuzfahrt spielen. Das Schiff ist voller Gruselgestalten, von Schrecken aber keine Spur. Drak wirft sich in Hawaiihemd und Shorts - und verliebt sich in Kapitänin Ericka. Doch sie hat Böses vor, sie ist eine Van Helsing. Bald wird klar: Nicht nur Dracula interessiert sich nicht mehr fürs Blutsaugen. Vampirjäger sind auch nicht mehr das, was sie einst waren.

Ana Maria Michel

4 / 9

Könige der Welt

Könige der Welt

Quelle: W-Film

Eine Band erfindet sich neu: Als die Jungs sich in einer niedersächsischen Garage zusammentaten und probten, nannten sie sich Union Youth, schrieben Briefe an alle möglichen Musikproduzenten, in denen sie ihre Musik anpriesen, terschlugen ihre Gitarren auf offener Bühne, wurden tatsächlich nach L.A. eingeladen, saßen mit Robbie Williams an einem Tisch. Schnell war es dann aber mit dem Erfolg wieder vorbei, aber vor einigen Jahren haben sie sich wieder zusammengetan, jetzt nennen sie sich Pictures. Eine Band, die sich mit ihrer Musik in die Welt hinausträumt, sagt Christian von Brockhausen, der eine Regisseur, und der andere, Timo Großpietsch, ergänzt: ein norddeutscher Traum. Im Innern dieses Traums aber steckt noch eine weitere, stille, berührende Geschichte - wie einer der Bandmitglieder seine Drogensucht bekämpft. Da geht es um Solidarität, Freundschaft, Durchhalten.

Fritz Göttler

5 / 9

Landrauschen

Landrauschen

Quelle: Arsenal Filmverleih

Was passiert, wenn junge Schwäbinnen aus Berlin zurück in ein Fachwerkhaus hinter Ulm ziehen? Sie färben sich die Haare pink, dann nichts mehr Berichtenswertes. So geht es auch dem schnarchigen Jugend-Heimatfilm von Lisa Miller. Er wäre gern hip und trotzdem nicht abgehoben, irgendwie anders halt, aber das versuchen die exotisch beleuchteten Cuba-Libre-Bars bei den Dorffesten auch.

Philipp Bovermann

6 / 9

Mamma Mia Here We Go Again

-

Quelle: AP

Die ersten Minuten räumen mit allen Zweifeln auf: Die unbezwingbare, lebenssprühende Donna ist tot - wie von den Fans schon befürchtet. Warum Meryl Streep sich entschieden hat, in der ersehnten Fortsetzung von Ol Parker nicht mehr richtig dabei zu sein, wird ihr Geheimnis bleiben. Die Hinterbliebenden, allen voran ihre Tochter (Amanda Seyfried) müssen nun eher traurige Abba-Songs singen und mit dem Verlust klarkommen - denn die vielen Rückblenden mit Lily James als junge Donna sind natürlich kein Ersatz. Zeitweise fürchtet man um die versprochene Party, aber am Ende kommt Cher aus Las Vegas angeflogen - und der Film kriegt einen doch.

Tobias Kniebe

7 / 9

Nico, 1988

Kinostart - 'Nico, 1988'

Quelle: dpa

Ein Biopic über Nico, die als Muse Wharhols und Sängerin von The Velvet Underground berühmt wurde. Eigentlich gibt es zu der ja genug Filme/Bücher/Verehrungskrams, aber ähnlich wie im auch hervorragenden Buch "Songs They Never Play on The Radio" entgeht der Film eben der Falle. Denn Susanna Nicchiarelli hat für die Handlung ihres Film das Jahr 1988 gewählt, ein durchaus interessanter Versuch: Die Lakonie und der leichte Anklang von Kaurismäki-Humor sind eine stilistisch gute Entscheidung, Schauspielerin Trine Dyrholm hat alle Gesangsparts selbst eingesungen.

Juliane Liebert

8 / 9

Sicario 2

Kinostart - 'Sicario 2'

Quelle: dpa

Wieder geht es um die mexikanische Grenze. Diesmal ist der Plot recht ausufernd, Kokainschmuggel reicht nicht mehr. Internationaler Terrorismus, Krieg der Drogenkartelle, der Zynismus der amerikanischen Regierung, die Brutalität der mexikanischen - das alles treibt diesen Thriller um. Trotzdem kann Stefano Sollima den breiten Ansatz zu einer persönlichen Story verengen, in der harte Männer weich werden und kleine Jungen hart.

Doris Kuhn

9 / 9

Endless Poetry

Endless Poetry

Quelle: Pascale Montandon-Jodorowsky

Ein endlos poetischer, autobiographischer Erinnerungsfilm von Alejandro Jodorowsky. Als junger Mann (Adan Jodorowsky) im Chile der vierziger, fünfziger Jahre wird er gegen den Willen des autoritären Vaters Dichter. Ein multimediales Happening zwischen Installation, Oper, Performance - garniert mit vielen Gedichten aus der Hand des Meisters - und eine Forderung nach Poesie als Lebenskonzept.

Philipp Stadelmaier

© SZ.de/bere

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