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Film:Die guten ins Töpfchen

Liebesglück durchs Handy? Sebastian Bezzel in „Safari“.

(Foto: Verleih)

"Safari" statt Tinder: Eine deutsche Kinokomödie behandelt die oft unfreiwillige Komik und die Untiefen des Online-Datings.

Eine junge Frau geht in die Disco, um einen Mann kennenzulernen. Doch den sucht sie nicht auf der Tanzfläche, sondern in ihrem Smartphone. Sie öffnet die App "Safari", und siehe da: Ein schmucker Surfer lächelt ihr entgegen. Er soll sich ganz in der Nähe befinden. Am Tresen wird sie fündig. Beide schauen von ihren Handys auf, kurzes Lächeln, und schon ziehen sie gemeinsam ab. So geht Kennenlernen heute, zeigt die deutsche Komödie "Safari - Match Me If You Can".

Die App Safari ist natürlich angelehnt an die echte Flirt-App Tinder, wo dem Nutzer potenzielle Partner vorgeschlagen werden, die dieser mit Wischen nach links (nein danke) oder rechts (ja bitte) sortieren kann. Ein bisschen also wie bei Aschenputtel, die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen. Weil das Online-Dating jede Menge Stoff für peinliche Anbahnungsszenen bietet und die Menschen in ihrer Selbstdarstellungshybris keine Grenzen mehr kennen, ist diese App natürlich der ideale Stoff für eine Filmkomödie.

Deshalb hat sich der Münchner Regisseur Rudi Gaul die Tinder-Kopie "Safari" ausgedacht. Sie funktioniert wie das Original, nur ein wenig überspitzter: Die Nutzer suchen sich ein Symboltier aus und kreuzen auch gleich ihre sexuellen Vorlieben an. Diese Liebes- und Sexsuchenden stehen im Mittelpunkt des Episodenfilms. Zum Beispiel ein Tramfahrer (Justus von Dohnányi), der sich als Pilot ausgibt, um seine Frau zu betrügen. Oder eine Mutter (Juliane Köhler), die allzu lange "so was von offline" war, wie sie ihrer verdutzten Tochter erklärt, und nun die Vorzüge der App auskostet. Diese und noch mehr Handlungsstränge laufen parallel. Sie kreuzen sich, finden in kurzen Rendezvous zueinander und münden zuletzt in diverse Happy Ends. Eine charmante Idee ist dieser Reigen aus modernem Fremdschämpersonal durchaus. Nur leider kommt der Humor des Films eher altbacken und recycelt daher, als sei er einer 20 Jahre alten Sexklamotte entliehen. Die männliche Jungfrau, die immer zu früh kommt, der Boyfriend der Tochter, der nackt und furzend durch die Wohnung stolziert, und die ausgefallenen Sexualpraktiken, die mit verklemmter Freude vorgestellt werden. "69 kenn' ich, aber 71?", fragt die Mutter beim Blick in die "Safari"-App. Die Auflösung: "69 plus je ein Finger im Po."

Schade, denn die Besetzung, die Rudi Gaul für seinen Film gewonnen hat, kann sich sehen lassen. Unter anderem sind Juliane Köhler, Justus von Dohnányi, Friederike Kempter und Sebastian Bezzel dabei. Richtig komische Momente sind ihnen aber erst im Abspann vergönnt, wenn die schönsten verpatzten Szenen gezeigt werden. Da versprüht "Safari" plötzlich einen Charme, den man vorher schmerzlich vermisst hat.

Safari - Match Me If You Can, Deutschland 2018 - Regie: Rudi Gaul. Drehbuch: Rudi Gaul, Friederike Klingholz. Mit Justus von Dohnányi, Juliane Köhler, Sebastian Bezzel. Concorde, 109 Minuten.

© SZ vom 29.08.2018
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