Fernsehen und Stars Es bleibt in der Familie

Die zweite Frage: Wie passt der Merkantilismus des Moderators zur gebotenen journalistischen Unabhängigkeit? Ließe sich beispielsweise ein Deutsche-Bank-Manager womöglich schwerer interviewen, weil man ihn ja aus einem anderen Zusammenhang kennt? Macht es keinen Unterschied, ob ein Politiker wie Beck für ein großes Fernsehpublikum oder für Freunde des deutschen Sekts interviewt wird? Wie käuflich ist somit das öffentlich-rechtliche Fernsehen?

Interessenkonflikte sind in dieser Gemengelage zwangsläufig - und das bei einer öffentlich-rechtlichen Vorzeigesendung wie den "Tagesthemen", die in Kommentaren gern die Gier der anderen anprangert.

Durch die vielen bunten Abende haben Unternehmen und Verbände überhaupt erst einen persönlichen Zugang zu Spitzenjournalisten, die beim Publikum angesehen sind und die als glaubwürdig gelten. So lassen sich Themen und Wünsche platzieren, hoffen die PR-Spezialisten.

Die zahlreichen Privatissima der Bildschirmhelden sind von den Sendern genehmigt. Wichtige Details aber, vor allem die Höhe der Honorare, scheinen die Verantwortlichen wenig zu interessieren. Für den in "Zapp" auftretenden ARD-Justitiar gehören die Summen eher in den Privatbereich. Womöglich hängt die Apathie damit zusammen, dass man so die Stars im eigenen System halten kann. Die öffentlich-rechtliche Gehaltsordnung gibt nicht wieder, was andere für "Marktwert" halten.

Tom Buhrow ließ die Fragen der ARD-Kollegen von "Zapp" einfach unbeantwortet. Auf Anfragen von sueddeutsche.de hat er bisher nicht reagiert.

Mutmaßlicher Topverdiener

Nur Frank Lehmann, der einstige Börsenexperte des Senderverbunds, plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. Der humoristisch begabte TV-Mann ist weiterhin für kommerzielle Auftraggeber unterwegs und meint, sein Verdienst sei gering im Vergleich zu jenen, "die richtig abgreifen" würden. Lehmann ging auch auf seine Agentur ein, die sich in der Branche einen gewissen Ruf erworben hat: die Nowak Communications GmbH aus Hamburg.

Diese Spezialfirma für "Personality Management" vermittelt viele öffentlich-rechtliche TV-Journalisten, zum Beispiel Petra Gerster, Laura Dünnwald, Patricia Schäfer oder Anne Gesthuysen - und eben auch den mutmaßlichen Topverdiener Tom Buhrow. Eigentümer der bunten GmbH ist der Rechtsanwalt Mark Nowak, der es im öffentlich-rechtlichen System weit gebracht hat: Er beriet beispielsweise Anne Will, als sie noch bei den "Tagesthemen" war - und ist heute neben ihr als Mitproduzent der Sonntags-Talksendung "Anne Will" aktiv.

Seine Mutter Petra wiederum kennt sich mit den Personen, mit denen der Filius schönes Geschäft macht, sehr gut aus: Sie ist Sekretärin bei den "Tagesthemen". Es bleibt ja alles in der Familie.