bedeckt München 26°

Erziehung mit der Rute:"Es tat so weh"

Manche Leser des Buches kommentieren seine Empfehlungen im Internet begeistert - und weisen darauf hin, dass der Gebrauch der Rute ja nicht als Gewaltakt zu sehen sei. Schließlich sagt der Autor eindeutig, dass man nicht nach Lust und Laune auf die Kinder eindreschen dürfe - oder aus den falschen Gründen.

Dressur über Schmerz und Angst

Beim Deutschen Kinderschutzbund ist man entsetzt über die christlich-fundamentalistischen Ratgeber. Als "Anleitung zur Kindesmisshandlung und -entwürdigung" bezeichnet Bundesgeschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth das Buch "Wie man einen Knaben gewöhnt". Außerdem verstoße das, was dort empfohlen wird, gegen den Paragraphen 1631 BGB. Mit der Rute würden Kinder kleingemacht und ihr Selbstwertgefühl und -bewusstsein geschädigt. Diese Misshandlungen können auch "zu Isolation, psychischen Störungen und sogar zum Suizid führen."

Auch den Hirnforscher Gerald Hüther von der Universität Göttingen gruselt es bei der Lektüre des Werkes der Eheleute Pearl. "Was in diesem Buch empfohlen wird, ist eine Dressur über Schmerz und Angst. Wenn man so den Willen der Kinder bricht, dann erzeugt man willige Werkzeuge", erklärt der Wissenschaftler. "Auf diese Grundlage stützen sich überhaupt autoritäre Systeme. Auch die Nationalsozialisten konnten auf die Konsequenzen autoritärer Erziehungsstrategien aufbauen."

Vertreter evangelikaler Organisationen und Einrichtungen reagieren zurückhaltend auf Fragen nach der Verbreitung und Legitimität der Bücher. "Einige Eltern rechtfertigen körperliche Züchtigung mit der Bibel, andere schlagen eher aus Hilflosigkeit und noch andere setzen ihren Kindern keine Grenzen, weil sie nicht schlagen wollen und kein anderes Erziehungsmodell kennen", sagt Helmut Wegner, Leiter des Kinderheims Elisabethstift in Berlin, einer Jugendhilfeeinrichtung im Diakonischen Werk. Die private Stiftung steht der evangelikalen Szene in Deutschland nahe. "Ich befürchte, dass einzelne Bibelstellen aus dem biblischen Zusammenhang herausgerissen werden und dadurch eine Fehldeutung erleben." Doch "der ,Geist' des Neuen Testamentes rechtfertigt meines Ermessens nach keinerlei körperliche Züchtigung!"

Wilhelm Faix, Vorsitzender der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA), ist mit dem Inhalt von "Eltern - Hirten der Herzen" vertraut. Empfehlen würde er es nicht - obwohl sich darin "auch sehr gute Ausführungen" fänden, die man nicht völlig unterschlagen sollte. Vielmehr müsste man sich mit dieser Pädagogik kritisch auseinandersetzen. "Die Berufung auf die Bibel, mit der Rute zu züchtigen, setzt ein bestimmtes hermeneutisches Schriftverständnis voraus, dem ich so nicht zustimmen kann, obwohl ich auch eine evangelikale Theologie vertrete."

Auch wenn angeblich aus Liebe geschlagen wird, sollte sich kein Vater und keine Mutter wünschen, dass ihre Kinder in Aussteigerforen einmal klagen: "Es tat so weh, immer diese ständige Angst vor den Prügelorgien haben zu müssen!"

P.S.: Nach dem Hinweis der Autoren hat der Deutsche Kinderschutzbund die Indizierung des Buches "Wie man einen Knaben gewöhnt" durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien beantragt. Das Buch ist inzwischen indiziert. Entsprechende Schritte werden auch gegen "Eltern - Hirten der Herzen" geprüft.