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Erdbeben in Nepal:Kulturdenkmäler in Trümmern

Der Königspalast durchziehen große Risse, doch der Basantapur-Turm ist völlig zerstört,

(Foto: AP)
  • Bei dem Erdbeben in Nepal wurden zahlreiche Kulturstätten zerstört, viele von ihnen stehen auf der Welterbeliste der Unesco.
  • Bilder zeigen die verheerenden Schäden: So steht vom berühmten Dharahara-Turm nur noch der Sockel.
  • Die Unesco zeigt sich zuversichtlich, dass die Anlagen wieder aufgebaut werden könnten.

Das verheerende Erdbeben in Nepal hat viele bedeutende Kulturstätten fast völlig zerstört. Etliche historische Tempel im Zentrum der Hauptstadt Kathmandu sowie in den angrenzenden Königsstädten Bhaktapur und Patan stehen gemeinsam mit anderen Anlagen auf der Welterbeliste der Unesco - jetzt liegen sie teilweise in Trümmern.

Unter dem Schutt werden noch viele Opfer vermutet. Die Zahl der Toten stieg am Montag auf 3900, etwa doppelt so viele Verletzte werden gezählt. Rettungskräfte suchen weiter nach Verschütteten, doch viele Dörfer sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die internationale Hilfe ist angelaufen.

NEPAL-KATHMANDU-EARTHQUAKE-DURBAR SQUARE

Die Gegenüberstellung zeigt die Zerstörung am Durbar-Platz. Klicken Sie in das Bild, um es vollständig zu sehen.

(Foto: Xinhua/Sipa USA)

Am Durbar-Platz in Basantapur durchziehen große Risse den weiß getünchten Königspalast, Teile des Mauerwerks sind herausgebrochen. Das Gebäude hat das Beben am besten überstanden. Ein Bildervergleich macht deutlich: Viele der angrenzenden Gebäude sind vollständig zusammengebrochen.

Früher beherrschte der Basantapur-Turm die Szenerie des Durbar-Platzes. SZ-Autor Eckhart Nickel berichtet, dass König Thribuvan der Legende nach aus dem Fenster von oben stets darüber wachte, dass Rauch aus allen Schornsteinen quoll - ein Zeichen, dass alle Nepalesen genügend Essen zum Kochen hatten.

Durbar-Platz in Kathmandu vor und nach dem Erdbeben

Der Basantapur-Turm am Durbar-Platz in Kathmandu ist dem Erdboden gleich. Klicken Sie in das Bild, um es vollständig zu sehen.

(Foto: dpa)

Die Viertel Basantapur und Patan, dessen Entstehung bis ins dritte Jahrhundert zurückreicht, sind die Zentren des alten Kathmandu. Dort richtete das Beben die größten Schäden an. Die ohne Mörtel geschichteten Ziegel ließen die mehrstöckigen Tempel in sich zusammenfallen, losgelöste Bretter ergossen sich in die Straßen.

Maju Deval, ein Tempel aus dem Jahr 1690, ein beliebter Treffpunkt der Stadt, ist zerstört. Wenige Kilometer nordöstlich von Kathmandu, in der tibetanischen Enklave Bodnath, wurde die berühmte Stupa stark beschädigt. Sie ist das heiligste buddhistische Monument außerhalb Tibets, 36 Meter hoch und wurde im 14. Jahrhundert erbaut.

In der Hauptstadt brachte das Beben den weißen Dharahara-Turm zum Einsturz, ein schlankes neunstöckiges Monument, das 1832 von Bimsen Thapa für die junge Königin Lalit Tripura Sundari errichtet wurde. Erst vor Kurzem war der Turm für Besucher wieder eröffnet worden. Über eine Wendeltreppe mit 200 Stufen erreichten Touristen eine mit Aussichtsplattform. Der Überlebende Dharmu Subedi, der beim Einsturz verschüttet und verletzt wurde, sagte, womöglich hätten sich zum Zeitpunkt des Bebens mehr als hundert Menschen in dem bei Touristen beliebten Turm aufgehalten.

Die Unesco bemüht sich darum, herauszufinden, wie die Lage an der Weltkulturerbestätte Lumbini, etwa 280 Kilometer westlich von Kathmandu ist. Sie gilt als Geburtsort Buddhas.

Vor dem Beben ragte hier der Dharahara-Turm neun Stockwerke in die Höhe, er wurde erst kürzlich wieder für Besucher geöffnet. Nun steht nur noch sein Rumpf. Klicken Sie in das Bild, um es ganz zu sehen.

(Foto: AFP/dpa)

Der Experte P.D. Balaji von der indischen Universität Madras äußerte angesichts der Zerstörungen Zweifel, dass die kaputten Gebäude jemals wieder vollständig aufgebaut werden könnten. "Es ist ein irreparabler Verlust für Nepal und den Rest der Welt." Die Unesco selbst ist jedoch zuversichtlich: "Wir haben unzählige Fotos der Anlagen und für alles detaillierte Pläne und Messungen", sagte deren Repräsentant in Kathmandu der Nachrichtenagentur dpa. Der Wiederaufbau werde jedoch Jahrzehnte dauern und viel Geld kosten.

© SZ vom 28.04.2015
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