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Diskussion über Avatar:Sie ist eine Maschine und sie sieht gut aus

Ist nicht langsam alles gesagt über Avatar? Warum die Kritiker nicht ruhen wollen, solange der Film in den Kinos läuft.

Ist nicht langsam alles gesagt über "Avatar", den Film, der nicht aus den Kinos weichen will? Man sollte es meinen. Aber die Zuschauer kaufen immer noch hartnäckig Tickets, der aktuelle Weltkassenstand liegt bei 2,6 Milliarden Dollar Einnahmen.

Das ist, lässt man die Inflation mal beiseite, schon bald eine Milliarde mehr als seinerzeit bei "Titanic". Und solange an dieser Front kein Ende abzusehen ist, dürfen natürlich auch die Intellektuellen nicht ruhen, müssen jeder Anspielung nachgehen, jede Wendung der Geschichte immer wieder neu auseinandernehmen.

Denn wie toll wäre das denn - an einem Phänomen, das nun wirklich jeder gesehen hat, noch diese eine verborgene Bedeutungsfacette zu entdecken, für die alle anderen zu blind waren?

Das funktioniert natürlich nach altbewährt-dialektischem Muster: Erst einmal wird James Camerons nun wirklich unübersehbare, fast peinigend offensichtliche Botschaft des Anti-Militarismus und Anti-Kolonialismus gewürdigt, seine Feier der Natur und des weiblichen Urprinzips begrüßt. Was ungefähr, kann man annehmen, auch die Reaktion des durchschnittlich liberalen Kinogängers ist.

Dagegen müssen natürlich die Rechten reflexartig aufbegehren, um in "Avatar" eine liberale Rachephantasie zu sehen - eine Art "Mann sieht rot" für wildgewordene Umweltschützer und Neo-Hippies, so schäumte etwa der konservative amerikanische Blogger John Nolte. Dieser Teil ist, in all seiner Banalität, nach gut zwei Wochen erledigt.

Den schlaueren Kommentatoren fällt dann ein innerer Widerspruch auf: Da dreht einer, finanziert von einem ausbeuterischen Riesenkonzern, den bisher technologisch avanciertesten Blockbuster - und hat dann nichts Besseres zu tun, als ausbeuterische Riesenkonzerne in seiner Geschichte zu verdammen und den zerstörerischen Schrecken der Technik in den grellsten Farben auszumalen. Das geht doch nicht, das ist ja wohl Doppelmoral! Je länger diese Erkenntnis braucht, um anzukommen, desto größer ist der Furor - was schließlich, nach reichlich Vorlaufzeit, bei Klaus Theweleit im Spiegel ("ein perverser Film") endet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum die Widersprüche in dem Film geplant sind.