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Die Geschichte eines gefälschten Bildes:Hauptsache quadratisch

Wie ein gefälschtes Bild von Josef Albers erst ins Museum, dann in den Handel kam - und alle die Augen zumachten. Erst als ein Museumsdirektor und eine Galeristin schon lange von dem Falsifikat wissen, erfährt der Eigentümer von der Entwertung seines Bildes.

Ein rosa Quadrat, gerahmt von Petrol, Hellblau und einem Streifen in dunklem Blau. Das Bild "Homage to the Square. Spring Tide", datiert auf das Jahr 1956, sieht charakteristisch aus: wie Josef Albers' Farbmalerei, die er, nachdem er als Bauhausmeister nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Amerika emigrieren musste, dort entwickelte und die ihn als Professor in Yale zu einem der einflussreichsten Künstler der Nachkriegszeit machte.

Die Fälschung des Josef-Albers-Gemäldes "Spring Tide": Ein deckender und viel zu glatter Farbauftrag, der nichts mit den atmenden und leicht unregelmäßigen Farbflächen zu tun hat, die der Maler liebte.

(Foto: privat)

Seine nach 1949 entstandenen Quadratbilder sind dabei so etwas wie ein Markenzeichen: die Staffelung von jeweils drei oder vier Vierecken auf einem quadratischen Malgrund. Eine Konstruktion wie eine Schablone, die alle Überlegungen zum Bildaufbau in geordnete Bahnen lenkt. Der Künstler arbeitete fortan fast nur noch an den Farbverhältnissen. Vor so einem Gemälde kann man die Nachbarschaften aus reinen, ungemischten Tönen beobachten, als lägen sie auf einem Seziertisch.

Doch etwas war falsch an "Spring Tide". Heinz Liesbrock, Direktor des Museums Quadrat Bottrop, bemerkte das schon aus vielen Metern Entfernung, als er das Bild auf der Art Cologne im Jahr 2010 am Stand der Galerie Thomas entdeckte. "Diese Kombination aus Blau mit kontrastierendem Pink sah nicht nach Albers aus", erinnert er sich. Und aus der Nähe entdeckte er einen deckenden und viel zu glatten Farbauftrag, der nichts mit den atmenden und leicht unregelmäßigen Farbflächen zu tun hatte, die der Maler liebte.

Für den Museumsmann, zu dessen Haus in der Geburtsstadt von Josef Albers auch das nach dem Künstler benannte Josef-Albers-Museum gehört, stand fest, dass es sich um eine Fälschung handeln musste. Er alarmierte die Polizei, die noch am selben Tag auf der Messe das für 1,2 Millionen Dollar angebotene Bild sicherstellte und Ermittlungen gegen den Eigentümer und die Galerie, die "Spring-Tide" auf Kommissionsbasis angeboten hatte, aufnahm.

Doch die Polizeiprotokolle aus dem November des Jahres 2010 offenbaren: Offensichtlich wussten Händler und Besitzer nicht, dass es sich um eine Fälschung handelte.

Im Wert gestiegen

Der Münchner Galerist Raimund Thomas kannte den Sammler Wolfgang Händel, einen Unternehmensberater, schon als Besucher seiner Vernissagen. Bei einer Albers-Ausstellung habe Händel ihm erzählt, dass er selbst ein Gemälde des Künstlers besitze, das er eventuell in London verkaufen wolle. Immerhin war das Bild, das Wolfgang Händel kurz vor Weihnachten im Jahr 1995 bei der auf das Werk von Albers spezialisierten Düsseldorfer Galeristin Karin Fesel zum Preis von 147.000 Mark gekauft hatte, inzwischen im Wert gestiegen. Raimund Thomas taxierte es - auch nach Rücksprache mit einem Spezialisten - auf gut 950.000 Euro.

"Spring-Tide" wurde danach nicht nur auf der Art Basel Miami Beach ausgestellt, sondern auch auf der Tefaf in Maastricht, zwei der renommiertesten Kunstmessen weltweit; wie in Köln hatte die für die Ausstellung verantwortliche Jury keine Einwände gehabt. "Im Nachhinein würde ich natürlich sagen, dass die Provenienz des Bildes fragwürdig war", sagt der Galerist heute, "das Bild stammte aus Italien und war nicht gut dokumentiert." Aber auch weil es lange im Museum ausgestellt war, unterließ der Münchner weitere Nachforschungen.

Auch der Sammler wies bei seiner Vernehmung darauf hin, dass "Spring Tide" jahrelang im Kunstmuseum der Stadt Bonn ausgestellt gewesen war, einem Haus, das sich mit Malerei des 20. Jahrhunderts profiliert hat. Der Kunstliebhaber hatte seine Sammlung im Zusammenspiel mit Museen und renommierten Galerien entwickelt. Er habe nie Zweifel an der Echtheit eines Bildes gehabt, vor dessen Ankauf der Direktor des Museums Dieter Ronte persönlich vorschlug, es danach in der ständigen Sammlung zu präsentieren.