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"Die Frau des Journalisten" von Ilse Kienzle:An der Grenze des Erträglichen

Stand by your man. Schließlich wurden die Deutsche Schule, dann das Goethe-Institut geschlossen, und die Ehefrau übernahm nun die Buchhaltung des ARD-Büros und bisweilen todesmutige Fahrten in andere Stadtviertel. Der Mann war dauernd auf Himmelfahrtskommandos unterwegs - "wir sind nicht hierher gekommen, um zu helfen, wir sind hier, um zu berichten" - lautet seine Devise.

Ilse Kienzle entwickelte sich zur Kettenraucherin, andere hielten den Krieg nur mit dem Roten Libanesen aus, und Alkohol wurde für viele der ständige Begleiter. Hemingway lässt grüßen. Freilich fehlt den Schilderungen der Frau des Journalisten so ganz der Macho-Bombast, das macht ihren Bericht so eindringlich. Irgendwann schnitt sie sich aus Verzweiflung die langen Haare ab, weil sie dachte, ihr Mann sei tot.

"Wir hatten die Grenzen des Erträglichen erreicht. Wir waren am Ende unserer Kräfte", notiert sie knapp. Eine weitere Station an der Seite ihres Mannes wurde Südafrika. Der Befreiungskampf in Rhodesien, die Apartheid und noch mehr Krieg bestimmten ihren Alltag.

Kriegserinnerungen auch in Deutschland

Die Frau des Journalisten - Ilse Kienzle

Ilse Kienzle: Die Frau des Journalisten

(Foto: sagas GmbH)

Schließlich wird Kienzle zum Chefredakteur von Radio Bremen berufen, und das Ehepaar ist bereit, nach Deutschland zurück zu kehren. Sie arbeitet in Norddeutschland wieder als Lehrerin, doch die Kriegserinnerungen lassen sie nicht los. Sie spart die Eheprobleme, die ein solch unsicheres Leben mit sich bringen, nicht aus, auch nicht ihre eigene psychische Verfassung. Sie sucht professionelle Hilfe und findet wieder zu eigener Gesundheit, Fröhlichkeit und Arbeit.

Sie ist immer noch die Frau des Journalisten, immer noch die Frau an Kienzles Seite. "Ich war nie eine Feministin" schreibt sie, aber sie habe "so gut es eben ging" ein selbstbestimmtes und vor allem spannendes Leben geführt. Weinerlich ist ihr Bericht also kaum zu nennen. Frau eines Auslandsjournalisten zu sein, ist eben nichts für Angsthasen.

Die Journalistin Christine Brinck ist mit dem Zeit-Herausgeber Josef Joffe verheiratet.

© SZ vom 18.11.2014/danl
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